Wenn der Brustkrebs wiederkommt – die vergessenen Frauen

24.11.08

Der metastasierte Brustkrebs ist die weltweit häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen unter 55 Jahren. Zwischen vier und zehn Prozent der Patientinnen haben bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Metastasen. Derzeit gibt es keinen Goldstandard für die Behandlung des metastasierten Brustkrebs. Experten riefen dazu auf, möglichst vielen Patientinnen im fortgeschrittenen Stadium die Teilnahme an klinischen Studien zu ermöglichen, damit die Behandlungsmöglichkeiten um neue Medikamente erweitert werden können. „The Forgotten Women“ ist eine internationale Initiative, die ein Sprachrohr vor allem für metastasierte Frauen sein will. Denn diese geraten allzu häufig – besonders im Vergleich zu Brustkrebs in frühen Stadien – in Vergessenheit, obwohl sie ein Viertel der Brustkrebspatientinnen ausmachen. Die Therapieoptionen sind nicht ausreichend und die Lebenserwartung begrenzt.

Während Brustkrebs in frühen Stadien gute Heilungschancen hat, sind die Heilungsaussichten für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs weitaus schlechter. In Europa treten jährlich etwa 429.000 Fälle von Brustkrebs auf, von denen ungefähr 100.000 auf den metastasierten Brustkrebs entfallen. Die Lebenserwartung der Patientinnen mit einem metastasierten Brustkrebs ist stark eingeschränkt: So liegt die 5-Jahres-Überlebensrate lediglich zwischen 17 und 25 Prozent. Der metastasierte Brustkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen unter 55 Jahren und für acht Prozent aller Krebstoten in Deutschland verantwortlich.

Ursache hierfür ist, dass derzeit keine Standardtherapie für den metastasierten Brustkrebs existiert. Die Chemotherapien mit Taxanen oder Anthrazyklinen gelten als die beiden effektivsten Behandlungen in der Erstbehandlung, jedoch kommt es zur Entwicklung von Resistenzen und dadurch bedingtem Fortschreiten der Erkrankung. "Manche Resistenzen können durch Epothilone, eine neue Substanzklasse in der Chemotherapie, überwunden werden", berichtete Dr. Riccardo Massetti, Rom, auf einem Satelliten-Symposium anlässlich des Kongresses der Union internationale contre le cancer (UICC) in Genf. Dieser Chemotherapie-Wirkstoff befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung, sowohl als Mono- als auch als Kombinationstherapie.

Die "Diagnose Metastasen" bedeutet für viele Patientinnen, die Kontrolle über das eigene Leben und den Körper zu verlieren, berichtete Stella Kyriakides, Präsidentin der Selbsthilfeorganisation Europa Donna in Zypern. "Viele der Brustkrebsüberlebenden haben große Angst davor, dass der Krebs zurückkommt", unterstützte Ingrid Kössler, Präsidentin von Europa Donna in Schweden. Bei etwa einem Drittel der von Brustkrebs betroffenen Frauen entwickelt sich tatsächlich mit der Zeit ein Rückfall. Umso wichtiger ist aufgrund der schlechten Prognose die Kommunikation zwischen Arzt und Patientin. "Alle Behandlungsmöglichkeiten sollen besprochen und die Therapie speziell auch auf das individuelle Profil der Patientin abgestellt werden", so Massetti. Dabei gilt es zwar realistisch zu bleiben, ohne jedoch die Hoffnung zu verlieren.

Die Initiative "The Forgotten Women" wurde von Bristol-Myers Squibb gegründet. Die Kampagne schafft Selbsthilfegruppen und weiteren Hilfsorganisationen ein Forum für den interdisziplinären Austausch mit Patienten, Angehörigen und Fachgruppen. "Eine dynamische und zukunftsorientierte Zusammenarbeit wie beim heutigen Meeting soll ein gemeinsames Engagement für eine bessere Versorgung sicherstellen, damit Frauen mit metastasiertem Brustkrebs nicht vergessen werden", fasste Stella Kyriakides abschließend zusammen.

Quelle: JournalOnkologie/BMS