Brustkrebs – eine chronische Erkrankung mit vielen Facetten

05.12.08

Langzeitüberlebende nach Brustkrebs leiden - auch 15 Jahre nach einer erfolgreichen Brustkrebstherapie - noch unter gesundheitlichen Einschränkungen. Das zeigt eine deutsch-dänische Studie, die Ende November veröffentlicht wurde.

Dass Frauen mit Brustkrebs als Folge der Diagnose und Behandlung oftmals mit Problemen wie Schmerzen (42 Prozent), Taubheitsgefühl (47 Prozent), Schwellung des Armes oder der Schulter (25 Prozent) sowie seelischen Störungen zu kämpfen haben, ist bereits in früheren Studien festgestellt worden. Ein deutsch-dänisches Forscherteam (die Deutschen kamen aus der Uniklinik in Aachen) gingen in einer aktuellen Studie der Frage nach, wie oft betroffene Frauen aufgrund solcher Probleme den Arzt aufsuchten und wie stark diese Beschwerden ihren Alltag belasten.
Dazu befragten sie 1.316 dänische Frauen ab 40 Jahren, die fünf bis 15 Jahre vorher erfolgreich gegen Brustkrebs behandelt worden waren, ohne einen Rückfall erlitten zu haben. Befragt wurden die Langzeitüberlebenden zu ihren Aktivitäten im Alltag, ihrer beruflichen Tätigkeit und der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen. Die Angaben der Brustkrebs-Patientinnen verglichen sie mit denjenigen von Frauen aus der Allgemeinbevölkerung.
Die Ergebnisse: Knapp zwei Drittel der ehemaligen Brustkrebspatientinnen (61 Prozent) hatten in den letzten drei Monaten Leistungen bei einem Chiropraktiker, Physiotherapeuten oder einem Arzt  in Anspruch genommen. In der Allgemeinbevölkerung lag der entsprechende Anteil von Frauen gleichen Alters deutlich niedriger, nämlich bei 56 Prozent. Jede fünfte Langzeitüberlebende (20 Prozent) gab an, sich in ihrem Alltag durch ständige gesundheitliche Probleme eingeschränkt zu fühlen, 11 Prozent hatten aus diesem Grund sogar ihre Arbeit aufgegeben, weil sie unter Spätfolgen einer antihormonellen oder Strahlentherapie litten.

Überraschend ist allerdings, dass nur 15 Prozent der Ex-Brustkrebspatientinnen im Frühruhestand waren; denn bei gleichaltrigen Frauen der Allgemeinbevölkerung machte der Anteil der Frührentnerinnen immerhin 19 Prozent aus. Darüber hinaus fiel die Selbsteinschätzung der eigenen Lebensqualität bei den Brustkrebsüberlebenden etwas besser aus als in der Kontrollgruppe.

„Das kann damit zu tun haben“ – sagt Vera Peuckmann, die an der Studie beteiligte Ärztin für Palliativmedizin an der Uniklinik Aachen, „dass Frauen nach dieser Diagnose das Leben kostbarer scheint“. Dennoch bleiben bei vielen Langzeitüberlebenden körperliche und seelische Schäden zurück, die dazu führen, dass sie häufiger als andere den Arzt aufsuchen, fassen die Autoren der Studie zusammen. Vera Peuckmann: „Um das Risiko zu senken, dass aus Brustkrebs eine chronische Erkrankung mit vielen Facetten wird, sollten Ärzte künftig aktiv hinhören und ihre Patientinnen auch auf emotionaler, psychologischer und sozialer Ebene betreuen.

Literatur: V. Peuckmann, O. Ekholm, P. Sjøgren, N.K. Rasmussen,P. Christiansen, S. Møller, M. Groenvold: Health care utilisation and characteristics of long-term breast cancer survivors: Nationwide survey in Denmark. Eur J Cancer 2008; Advance online publication 26 November 2008