Frauen mit Brustkrebs leben länger durch Psychotherapie

28.12.08

Brustkrebspatientinnen leben länger, wenn sie sich einer psychologischen Behandlung unterziehen. Möglicherweise stärkt diese Therapie das Immunsystem und schützt so vor einem Rückfall.

Seit über zwei Jahrzehnten wird die Frage diskutiert, ob eine – wie immer auch geartete „Seelenbehandlung“ das Überleben von Krebspatienten verlängert. Bislang sprechen die wissenschaftlichen Daten aus sieben Studien gegen eine lebensverlängernde Wirkung psychologischer Behandlungsansätze und fünf dafür. Nun aber gibt es eine sechste Studie „Pro Seelenintervention“, diesmal von der Universität Ohio.
Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 11 Jahren kommt ein amerikanisches Forscherteam um die Psychologie-Professorin Barbara L. Andersen zu dem Schluss: Brustkrebspatientinnen, die acht Monate lang regelmäßig an einer Gruppentherapie teilnehmen, senken ihr Sterberisiko im ersten Jahrzehnt nach der Diagnose um 56 Prozent.
In der Gruppe erlernten die Teilnehmerinnen Methoden, um Stress abzubauen und ihre Stimmung zu verbessern. Sie erhielten Unterstützung für einen gesünderen Lebenswandel mit mehr Bewegung, guter Ernährung und Verzicht auf Nikotin. Und sie lernten, wie sie sich aktiv von Freunden und Familie Unterstützung holen und ihre medikamentöse Therapie trotz Nebenwirkungen durchhalten können.
Insgesamt nahmen an der randomisierten klinischen Studie 227 Frauen teil, die aufgrund von Brustkrebs im Stadium II oder III eine Operation erhalten hatten. Die Patientinnen wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt, eine Psychotherapiegruppe und eine Kontrollgruppe ohne seelische Betreuung. Nach durchschnittlich elf Jahren war bei 62 Frauen der Krebs wieder aufgetreten und 54 waren verstorben. Sowohl das Rückfallrisiko als auch das mit dem Brustkrebs verbundene Sterberisiko war bei Patientinnen, die an der Gruppentherapie teilgenommen hatten, deutlich geringer. Die psychotherapeutische Intervention senkte zusätzlich auch das Risiko, an anderen Ursachen zu sterben.
Möglicherweise, so die Studiengruppe um Barbara L. Andersen, führte die Stressreduktion in der Studiengruppe zu einer Stärkung des Immunsystems. Aus Tiermodellen ist bekannt, dass Stress das Tumorwachstum fördert - ein Zusammenhang, der auch für den Menschen diskutiert wird.
Mittels Blutproben konnte Professor Andersen nachweisen, dass sich in der psychologisch betreuten Gruppe im Zuge der Stressverringerung die Qualität der Immunzellen verbesserte, während sie sich in der Kontrollgruppe verschlechterte.
Interessanterweise zeigte sich bei den Patienten, die einen Rückfall erlitten, bereits 17 Monate vorher eine deutlich erhöhte Zahl an Leukozyten, Neutrophilen, Lymphozyten und natürlichen Killerzellen im Vergleich zu krankheitsfreien Patienten. "Eine psychologische Intervention, die Stress reduziert, könnte den Entzündungsprozess unterbrechen und dadurch die Krankheitsprogression eindämmen", schreibt Barbara Andersen.
Auch wenn sich die Wissenschaftlerin nicht vorstellen kann, dass in Zukunft alle 1,4 Millionen Krebspatienten, die in den USA jährlich diagnostiziert werden, an eine Gruppentherapie überwiesen werden, so sieht sie ihr Studienergebnis doch als hoffnungsvolles Zeichen. "Wenn wir frühzeitig effektive psychologische Hilfe zur Verfügung stellen, verbessern wir die mentale Gesundheit und möglicherweise auch die biologischen Folgen einer Krebserkrankung."

Zum Nachlesen: Andersen BL et al. Psychologic intervention improves survival for breast cancer patients: a randomized clinical trial. Cancer 2008,113: 3450–8