Brustkrebs passt sich dem modernen Lebensstil an

18.03.09

Mehr als 50.000 Frauen in Deutschland bekommen jährlich die Diagnose Brustkrebs gestellt. Und es werden immer mehr. Die Chance, lebenslang keinen Brustkrebs zu bekommen, steht heute bei neun zu eins.

 

Eine englische Studie zeigt: Mit dem Lebensstil der Frauen wandeln sich im Laufe der Generationen auch die Brusttumore.

Frauen müssen heute mehr denn je damit rechnen, einen speziellen, "schleichend" wachsenden Tumor in der Brust zu bekommen. Das ergab ein Vergleich von Brustkrebs-Gewebeproben, die Forscher in den 1980er- und 1990er-Jahren gesammelt haben. Das Fazit der Studie: Die Art des Brustkrebses passt sich wie ein Chamäleon über die Jahre und Jahrzehnte mit immer neuen Erscheinungsformen dem Lebensstil von Frauen an. Und: die wissenschaftliche Erforschung und Behandlung dieser Erkrankung hält mit dieser Entwicklung Schritt. Mehr sogar: Die Überlebenschancen sind gestiegen.
Durchschnittlich ist die Gefahr, mit 65 Jahren Brustkrebs zu bekommen, am größten, bei der erblichen Form sogar schon 20 Jahre früher. Brustkrebs ist aber nicht gleich Brustkrebs, denn kein Tumor gleicht dem anderen. Zur besseren Orientierung haben sich die Ärzte inzwischen auf zehn grobe Einteilungen(Klassifikationen) festgelegt, denen die meisten Brustkrebsarten zugeordnet werden.

Mit Abstand am häufigsten stellen Onkologen einen Tumor fest, der molekulare Antennen für weibliche Hormone besitzt. Dieser hormonsensible Brustkrebs trifft mehr als jede zweite Patientin. Ihre Krebszellen werden – wie Empfängerantennen (Rezeptoren) - durch die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron „angetörnt“. Frauen mit diesem Befund werden öfter geheilt. Wenn sie Tochtergeschwülste (Metastasen) bekommen, dann sehr viel später als andere Leidensgenossinnen mit einem nicht-hormonsensiblen Brustkrebs.
Außerdem sind bei diesen Patientinnen anti-hormonelle Brustkrebstherapien, also Behandlungen, die den Empfängerantennen für Geschlechtshormone auf den Brustkrebszellen die Grundlage entziehen, erfolgreicher und besser verträglich.

Um ein erneutes Wachstum im Keim zu ersticken, blockiert der behandelnde Arzt - meist medikamentös - die Geschlechtshormone im Körper. Das gelingt gut – nach fünf Jahren sind 80 Prozent der Patientinnen noch am Leben – aber mit dem leidvollen Nebeneffekt, dass jüngere Patientinnen vorzeitig in die Wechseljahre katapultiert werden.

Für ihre statistische Untersuchung haben die Wissenschaftler der Universität Glasgow mehr als 1000 Gewebeproben von Brustkrebs-Patientinnen überprüft, die in zwei großen Krankenhäusern der Stadt Glasgow gesammelt wurden: 420 aus den Jahren zwischen 1984 und 1986 und 653 von 1996 bis 1997. Ergebnis: Die langsamen Tumore mit einer entsprechenden Hormonantenne werden deutlich häufiger, die Fallzahlen stiegen innerhalb von zehn Jahren von 64,2 Prozent auf 71,5 Prozent.

Gleichzeitig werden die ohnehin selteneren, schnell wachsenden und aggressiv streuenden Krebsarten ohne hormonelle „Düngung“ in den Krankenakten noch seltener.

Warum verhält sich der Brustkrebs wie ein Chamäleon?

Das können auch die schottischen Forscher nicht erklären. Eine geringe Zahl der analysierten Gewebeproben sei gewiss dadurch zu erklären, dass die histopathologischen Nachweismethoden heute besser sind als früher, vermuten die Forscher im „British Journal of Cancer“: Sensible Testmethoden können inzwischen hormonsensible Mammatumore aufspüren, noch bevor ein Knoten in der Brust tastbar wird. Ein weiterer Grund könnte auch der veränderte Lebensstil sein, glauben die Glasgower Wissenschaftler. Frauen bekommen inzwischen viel später Kinder als noch vor 20 Jahren, ihr Östrogen-Spiegel bleibt also bis in die Mittvierziger hinein vergleichsweise hoch. Außerdem gibt es mehr Fettleibige jenseits der Wechseljahre, hormonelle Umwelteinflüsse durch Plastik-Verpackungen und Fleischzusätze sowie jene Risikokandidatinnen, die mit Östrogenen Wechseljahrs-Beschwerden lindern.

Aber es gibt auch ein erbliches Risiko für den hormonsensiblen Brustkrebs: Haben eine oder mehrere Verwandte ersten Grades diese Art von Brustkrebs vor den Wechseljahren, besteht ein erheblich höheres Risiko. Hat sich also das entsprechende Brustkrebs-Gen über die Jahre in der Gesellschaft stärker verbreitet und festgesetzt?

Alkohol fördert die Entstehung von Brustkrebs, auch in kleinen Mengen
Eine weitere Gefahr sind die veränderten Trinkgewohnheiten unter Frauen: Alkohol fördert die Entstehung von Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs, auch in nur geringen täglichen Dosen. Durch den Alkohol kann der Körper das Östrogen nicht mehr richtig abbauen. Hohe Hormonspiegel steigern das Krebsrisiko übrigens auch bei Männern.

Bleibt nur die Frage: Warum werden die schnell wuchernden, sogenannten G3-Brustkrebse seltener? Das können die Wissenschaftler nicht erklären. Was sie jedoch aufklären konnten, ist, was im Zusammenhang mit Brustkrebs ein Irrtum ist.

Im Alter wächst Brustkrebs langsamer: Diese Annahme ist falsch! Krebszellen, und auch Brustkrebszellen, wachsen in jedem Alter gleich schnell oder gleich langsam. Das Alter spielt dabei keine entscheidende Rolle. Je älter man wird, desto größer ist allerdings die Chance, irgend einen Krebs zu bekommen.

Fakt ist, dass das Durchschnittsalter von Frauen zum Zeitpunkt der Entstehung eines Krebses bei 69 Jahren, bei Männern bei 67 Jahren liegt.

Weitere Informationen

Mehr dazu finden Sie auf unserer Webseite im Bereich Diagnose Brustkrebs /Charakterisierung .