Neue Studie nimmt zielgerichtete Wirkstoffe gegen Brustkrebs ins Visier

01.07.09

Eine internationale Phase III-Studie soll jetzt die Wirksamkeit des HER2-Antikörpers Trastuzumab bzw. des Tyrosinkinasehemmers Lapatinib in Verbindung mit einer Chemotherapie bei der ersten Behandlung von metastasiertem Brustkrebs überprüfen.

Voraussetzung für den Einsatz dieser zielgerichteten Medikamente ist, dass die Brustkrebszellen auf ihrer Oberfläche vermehrt das so genannte HER2-Eiweiß (auch ErbB2 oder HER2/neu, "Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor") ausbilden, es sich also um HER2-positive Tumore handelt. Außerdem muss dem Einsatz von Lapatinib bereits ein nicht erfolgreicher Behandlungsversuch mit Chemotherapie-Wirkstoffen aus der Gruppe der Anthrazykline und Taxane vorausgegangen sein.

Die COMPLETE-Studie (hergeleitet aus den hier gefetteten Buchstaben "Comparison of Lapatinib Efficacy vs. Trastuzumab, Each with a Taxane, in First Line Metastatic Breast Cancer) soll im Einzelnen klären, ob bei Frauen mit einem HER2-positiven Brustkrebs die Zeit bis zum Fortschreiten ihrer Erkrankung verlängert werden kann, wenn in der Erstbehandlung ihrer Brustkrebsmetastasen eine Taxan-haltige Chemotherapie mit Lapatinib oder Trastuzumab unterstützt wird. Dabei wird der Behandlungserfolg von Lapatinib und Trastuzumab direkt miteinander verglichen. In Deutschland werden für die COMPLETE-Studie, kurz genannt EGF108919, noch Teilnehmerinnen gesucht.

Weltweit sollen bis zu 600 Patientinnen aus 25 Ländern an der Studie teilnehmen. In Deutschland sind etwa 30 Studienzentren geplant. Gesucht werden Brustkrebspatientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs, der gestreut hat und noch nicht mit Chemotherapie behandelt worden ist.

HER2 verfügt über Bindungsstellen, an die sich Wachstumsfaktoren binden und ihre wachstumsfördernde Wirkung an den Krebszellen entfalten können. Die Zellen wachsen dadurch sehr schnell. Künstlich hergestellte Antikörper wie Trastuzumab können die Bindungsstellen von HER2 besetzen und das Andocken der Wachstumsfaktoren verhindern. Tyrosinkinasehemmer wie Lapatinib wiederum wirken an dem in der Zelle befindlichen Teil der Bindungsstellen für Wachstumsfaktoren. Die Wachstumsfaktoren können dann zwar weiterhin außen an der Zelle andocken, ihre Signale werden jedoch nicht mehr erfolgreich ins Innere der Zelle übertragen.

Quelle: GSK und Journal Onkologie


Zum Weiterlesen:

Konecny et al. Activity of dual kinase inhibitor Lapatinib (GW572016) against HER-2 Overexpressing and Trastuzumab-Treated Breast Cancer Cells.Cancer Res 2006;66:1630-9
www.clinicaltrials.gov