Brustkrebs: Verhindern Betablocker Metastasen?

30.03.10

Der Einsatz sogenannter Beta-Blocker verringert bei Frauen mit Brustkrebs die Gefahr der Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) um 71 Prozent - und steigert dadurch die Überlebenschancen der Patientinnen.

Zu dieser Erkenntnis kamen deutsche und englische Forscher in einer Studie mit 466 Betroffenen die unlängst auf der siebten Europäischen Brustkrebskonferenz in Barcelona vorgestellt wurde.

Professor Dr. Frank Entschladen, Studienleiter von der Universität Witten/Herdecke, und Dr. Desmond Powe von der Universität Nottingham zeigen sich zuversichtlich angesichts der Studienergebnisse: Mit den Beta-Blockern habe man ein sicheres und kostengünstiges Medikament, um einen weiteren Schritt in Richtung gezielter Behandlung  bei Brustkrebs zu machen.

Warum ausgerechnet Beta-Blocker die Metastasenbildung unterdrücken erklären sich die Forscher so:  Krebszellen können besonders dann gut und schnell wachsen, streuen und Metastasen bilden, wenn viele Stresshormone den Körper überfluten. Die Beta-Blocker können durch ihren Mechanismus verhindern dass  Stresshormone wie etwa Kortisol an den Krebszellen andocken können. "Daher kommt es auch zu weniger Wanderungen und Streuungen", sagt Frank Entschladen.

Die  466 Studienteilnehmerinnen wurden in drei Gruppen unterteilt: 43  Patientinnen nahmen bereits vor der Studie Beta-Blocker ein, weil sie an Bluthochdruck litten. Die restlichen Frauen nahmen entweder andere Medikamente gegen Bluthochdruck ein oder bekamen keine blutdrucksenkenden Medikamente, weil sie nicht an Bluthochdruck litten.

Das Ergebnis der Studie: Die Patientinnen, die Beta-Blocker nahmen, hatten eine um 71 Prozent bessere Überlebenschance.  Diese erfreuliche Wirkung  trat bei den Frauen, die andere oder keine Blutdrucksenker einnahmen, nicht auf. Deshalb führen die Forscher diesen Effekt  auf die Beta-Blocker zurück.

Weitere Studien mit mehr Frauen sollen folgen. Untersucht werden muss zudem noch, wie Brustkrebspatientinnen mit normalem Blutdruck den blutdrucksenkenden Effekt vertragen.  Außerdem gibt es - so Mitautor Frank Entschladen - einen Beta-Blocker-Subtyp, die sogenannten Beta-2-Blocker, die keine blutdrucksenkende Wirkung haben, aber zumindest in Laborexperimenten ebenfalls gut funktionieren. Bislang sind sie aber noch nicht als Arzneiwirkstoff zugelassen.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Frank Entschladen, Telefon 02302 - 926-187, frank.entschladen(at)uni-wh.de

Quelle:
D.G. Powe, M.J. Voss, H.O. Habashy, K.S. Zanker, A.R. Green,
I.O. Ellis, F. Entschladen: Beta-blocker treatment is associated with a reduction in tumour metastasis and an improvement in specific survival in patients with
breast cancer. Abstract 445, EBCC Barcelona, 2010