Das Medikament "Arzt" wirkt doch!

21.07.10

An der Droge "Doktor" ist wohl etwas doch etwas 'dran! Ärzte können heilende Placebo-Effekte auslösen - davon ist zumindest Prof. Robert Jütte, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer überzeugt, der bei einem wissenschaftlichen Symposion in der Berliner Charite die Stellungnahme der Bundesärztekammer zum "Placebo in der Medizin" vorstellte.

Von mamazone Vorstands-Mitglied Annette Kruse-Keirath

Wichtig für Krankheitsverläufe und Heilungsprozesse, so Jütte, ist vor allem die  Arzt-Patienten-Beziehung. Der Leiter des  Instituts für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart plädiert dafür, dass Ärzte bei der Therapie den Gesamteffekt einer Behandlung und nicht nur den "Wahrheits- und Beweisbarkeits-Effekt" der evidenzbasierten Medizin im Blick haben sollten. "Für den Patienten ist letztlich immer entscheidend, was am Ende der Therapie für ihn herauskommt", erläutert der Wissenschaftler. Gerade neuere  Forschungen hätten gezeigt, wie viel man in der Medizin mit Placebo-Reaktionen erreichen könne - nicht nur, aber vor allem auch in der hausärztlichen Praxis.  Leider ist diese Behandlungsmöglichkeit nur wenigen Medizinern bekannt und wird dementsprechend auch wenig genutzt. Für viele Ärzte sei das Wort "Placebo" nur im Zusammenhang mit klinischen Studien, nicht aber als Heilmittel ein Begriff.

Viel Aufklärungsarbeit ist somit nötig, um  Ärzte dafür zu sensibilisieren, dass der Placeboeffekt nicht nur durch Scheinmedikamente, sondern vor allem auch durch den Arzt selbst und seine Tätigwerden ausgelöst und verstärkt werden kann. Wichtig für den Placebo-Effekt: Empathie, Vertrauen und richtige Behandlungsumfeld (therapeutisches Setting).

Diese Einschätzung unterstreicht auch Prof. Eckhart G. Hahn, der Vorsitzende des Vorstands der Gesellschaft zur Medizinischen Ausbildung. "Der Arzt selbst kann Placebo und auch Nocebo sein", so Hahn, also heilsam oder schädigend wirken. Viele Ärzte erweisen sich in der täglichen Praxis nach Beobachten des Erlanger Professors  - meist unwissendlich - eher als Nocebo denn als Placebo. Ärzte müssten verstehen lernen, dass es für den Behandlungserfolg entscheidend sei, eine gute Beziehung zum Patienten in zu haben. Deshalb rät Hahn allen Medizinern - angehenden wie bereits langjährig tätigen - sich dringend mit den Placeboeffekten und der heilsamen Wirkung der "Droge Doktor" auseinander zu setzen.

Einen Teil dieser Hausaufgaben hat die Bundesärztekammer bereits gemacht. Sie beauftragte vor zweieinhalb Jahren eine Arbeitsgruppe damit, eine Stellungnahme zu erarbeiten, die den Stand der experimentellen Forschung darstellt und dabei ethische und juristische Fragestellungen mit einbezieht. Diese Stellungnahme liegt jetzt vor und kann als PDF-Download  unter dem Linke Stellungnahme "Placebo in der Medizin von der Internetnetseite der Bundesärztekammer bezogen werden.