Krebsmedikamente führen nicht zum Kollaps des Gesundheitswesens

03.08.10

Kosten sparen heißt das Gebot der Stunde angesichts des Finanzlochs von 11 Mrd. € im Gesundheitsfonds. In die Kritik der Sparkommissare geraten sind nicht nur die homöopathischen Präparate –weil angeblich unwirksam-, sondern auch die Krebsmedikamente – weil angeblich zu teuer. Eine Studie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) zeigt jetzt: Die Kosten für Krebsmedikamente sind nicht der Sargnagel des Gesundheitssystems!

Diese Studie wird die auf Sparsamkeit bedachten Gesundheitspolitiker aus allen Fraktionen enttäuschen: Moderne und damit vergleichsweise teure Krebspräparate wie Tyrosinkinase-Hemmer und monoklonale Antikörper, aber auch die Medikamente für die antihormonelle Therapie und die konventionellen Mittel der Chemotherapie sind nicht die Hauptkostentreiber im Gesundheitswesen. Wie der Chef des IGES-Instituts, Prof. Bertram Häussler anlässlich einer Presse-konferenz am 28. Juli 2010  in Berlin mitteilte, haben die Studienergebnisse gezeigt, dass bei einer erwarteten jährlichen Ausgabensteigerung für alle Arzneimittel bis 2013 von 4 Prozent lediglich 0,1 Prozentpunkte durch Krebsmittel verursacht werden. So werden die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Krebsarzneimittel von 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2009 um jährlich ca. 200 Millionen Euro auf 3,8 Milliarden Euro 2013 wachsen. Das ist eine Steigerung von ca. 4,8 Prozent pro Jahr. Der Anteil der Krebsmittel an den gesamten Arzneimittelausgaben wird sich damit von 9,4 auf 9,7 Prozent erhöhen. Zum Vergleich: Auch die Ausgaben für alle anderen Medikamente zur Grundversorgung werden nach Berech-nungen des IGES jährlich um 3,9 Prozent zunehmen.

Mehr noch: Das Institut konnte auch nachweisen, dass die Krebsarzneien in der Vergangenheit ebenfalls nicht der Auslöser für massive Kostenausweitungen im Arzneimittelsegment waren. Der Grund: Gerade die neu entwickelten Medikamente sind zwar teuer – häufig werden fünfstellige Beträge je Patient bei Einsatz von Substanzen wie Trastuzumab oder Capecitabin  fällig.  Doch werden diese Präparate nur bei einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Patienten eingesetzt. Damit ist der Durchschnittsaufwand für den einzelnen Patienten – anders als bei Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck - zwar verhältnismäßig hoch, nicht aber die Gesamtsumme der durch Einsatz dieser Präparate verursachten Ausgaben. Auch hinsichtlich der Befürchtung, dass es wegen ständiger Innovationen bei den Krebsmittel zum einem nicht beherrschbaren Kostenanstieg kommen könnte, entkräftet die IGES-Studie. Seit 2000 werden, so die Berliner Wissenschaftler , pro Jahr drei neue Krebsmedikamente auf den Markt gebracht. Diese Entwicklung, so die Prognose des IGES, wird sich auch bis 2013 fortsetzen. (akk).

Eine Präsentation der wichtigsten Studienergebnisse zum Nachlesen findet sich unter www.iges.de