Hurra! Endlich wird weniger an Brustkrebs gestorben

13.08.10

Spitzenreiter Island, Schlusslicht Rumänien

Die gute Nachricht am Freitag, den 13.: Die Sterberate an Brustkrebs ist in Deutschland von 1989 bis 2006 um 21 Prozent gesunken. Damit liegt die Bundesrepublik nach einer aktuellen Untersuchung von WHO-Forschungsdaten jetzt auf Platz 13 der Todesstatistik von insgesamt 30 europäischen Ländern. Durchschnittlich war die Rate der Todesfälle durch Brustkrebs um 19 Prozent gefallen.

Hier die Zahlen im Einzelnen: zwischen 1987 und 1989 gab es pro 100 000 Frauen noch 31 Brustkrebs-Todesfälle in Deutschland. Zwischen 2004 und 2006 waren hingegen nur noch 26 Brustkrebs-Opfer auf 100 000 Frauen zu verzeichnen. Das entspricht einer jährlichen Verringerung der Brustkrebs-Sterberate um 1,4 Prozent, so die Berechnungen der Forscher um den Epidemiologen Dr. Philippe Autier aus Lyon (veröffentlicht in der Fachzeitschrift Britisch Medical Journal/BMJ 2010; 341: c3620).

Spitzenreiter Island, Schlusslicht Rumänien

Am deutlichsten ist die Brustkrebs-Sterblichkeit mit nahezu 45 Prozent in Island gesunken, gefolgt von England und Wales mit 35 Prozent und Luxemburg mit 34 Prozent. In diesen Ländern war jedoch die Brustkrebs-Sterberate zwischen 1987 und 1989 noch relativ hoch gewesen. Sie lag in Island bei 33 Todesfällen pro 100 000 Frauen, in England und Wales bei 42 pro 100 000 und in Luxemburg bei 36 pro 100 000 Frauen.
Das traurige Schlusslicht bei der Brustkrebs-Sterblichkeits-Statistik bildete jetzt Rumänien mit einem Anstieg von Brustkrebsopfern um 17 Prozent. Das könnte nach Einschätzung der Autoren daran liegen, dass in ehemaligen kommunistischen Ländern heute die Risiken für Brustkrebs zugenommen haben, etwa durch weniger Schwangerschaften und durch die zunehmende Aufschiebung des Eintritts der ersten Schwangerschaft. Außerdem liege die Qualität der Versorgung bei Brustkrebs unter dem europäischen Durchschnitt, so die Krankheits-Statistiker.

Größte Erfolge bei den jungen Frauen

Erfreulich ist, dass die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs besonders stark bei den jungen Frauen unter 50 Jahre zurückging. So wurde in Island eine Verringerung in dieser Altersgruppe um 76 Prozent erreicht, in England und Wales eine Reduktion um 42 Prozent und in Deutschland ein Rückgang um 46 Prozent.

Und wie sah es bei der klassischen Diagnosegruppe der „Brustkrebsfrauen“ aus? Bei den 50- bis 69-Jährigen waren es entsprechend nur 35, 40 und 20 Prozent. Die besonders gute Bilanz bei den jüngeren Frauen könnte daran liegen, dass sie gezielter behandelt werden und daher besser auf die Therapien ansprechen, vermuten die Forscher.

Die allgemeine Verringerung der Brustkrebs-Sterberate seit Ende der 1980er Jahre führen die Autoren unter anderem auf die Einführung des Mammografie-Screening in vielen Ländern in 1990er Jahren und auf die rasche gute Akzeptanz der Reihenuntersuchung bei den Frauen zurück. Außerdem sei der Zugang zu neuen Therapien verbessert worden, und es habe eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit in spezialisierten Zentren (etwa zertifizierte Brustzentren) stattgefunden. So werden auch in Deutschland Frauen mit Mammakarzinom zunehmend in solchen Brustzentren behandelt.

Spitzenreiter der Brustkrebsbehandlung Frankreich und Schweden stagnieren


Rätsel ergeben sich jedoch nach wie vor in den führenden Ländern des Kampfs gegen Brustkrebs, Frankreich und Schweden: gerade dort habe man aufgrund der großen Anstrengungen im Kampf gegen diese häufigste Krebserkrankung von Frauen einen eindrucksvolleren Rückgang der Sterberate erwartet. Die ist jedoch ausgeblieben: in Frankreich sei die Sterberate lediglich um elf Prozent und in Schweden um 16 Prozent gesunken.