EU: Brustkrebsdiagnose muss schneller und präziser werden

16.08.10

Die Europäische Union stellt 3,1 Mrd. Euro für ein neues Forschungsprojekt zur Verfügung, das die Brustkrebs-diagnostik EU-weit verbessern soll. Ziel des Projektes „HAMAM“ ist die Entwicklung eines High-Tech Diagnose-Terminals, das die Bilder aus Mammographie, Ultraschall und MR mit anderen Patientinneninformationen zusammenführt.

Der Vorteil dieser Diagnose-Workstation, die unter Federführung der IKT-Sektion der Frauenhofer-Gesellschaft entwickelt wird: Der Arzt kann die mit verschiedenen bildgebenden Verfahren aufgenommenen (multimodalen) Bilder sofort am Befundungsterminal vergleichen und vor dem Hintergrund der Krankengeschichte der Patientin und anderer Untersuchungsbefunde bewertet werden. Die EU verspricht sich vom neuen Forschungsprojekt, das derzeit in ausgewählten Kliniken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden erprobt wird, eine Reduzierung der falsch positiven und falsch negativen Befunde und eine verbesserte Aufdeckungsrate insgesamt.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wurde 2008 begonnen und mit 3,1 Millionen EUR von der EU finanziert. Wissenschaftler, Klinikärzte und IT-Experten arbeiten daran, alle vorhandenen Patientendaten in einer gemeinsamen Datenbank zusammenzufassen. Gleichzeitig  werden klinische Softwareinstrumente entwickelt, bei denen  Bilddaten und quantitative Daten zusammengeführt und mit persönlichen Risikoprofilen für eine Brustkrebs-Erkrankung, denen genetische Informationen und Krankheitsfälle in der Familie zugrunde liegen, kombiniert werden.

Zu den klinischen Beratern des Projekts gehören führende Experten auf dem Gebiet der Brustkrebsdiagnose aus sechs EU-Mitgliedstaaten (Belgien,
Deutschland, Italien, Niederlande, Schweden und Vereinigtes Königreich) sowie den USA. Klinische Erprobungen werden in Krankenhäusern in Berlin
(Deutschland), Dundee (Vereinigtes Königreich) und Nijmegen (Niederlande) durchgeführt. An den Erprobungen sind auch IT-Fachleute mehrerer europäischer Universitäten beteiligt.

Hintergrund:

In Europa werden jährlich rund 350 000 neue Brustkrebsfälle festgestellt. Der Schwerpunkt bei der Brustkrebsbekämpfung liegt derzeit auf der Früherkennung. Trotz der Fortschritte bei der modernen Bildgebungstechnik stellen die frühzeitige Erkennung und korrekte Diagnose von Brustkrebs immer noch  eine unbewältigte Herausforderungen dar. Dazu die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes: „Brustkrebs betrifft Millionen. In Europa sterben jährlich 130 000 Frauen daran. Viele Tausende Leben könnten gerettet werden, wenn der Krebs häufiger frühzeitig erkannt wird. Die Möglichkeiten, die die digitale Technologie des Projekts HAMAM in dieser Hinsicht bietet, erfüllen mich deshalb mit großer Hoffnung.“ (akk) Weitere Infos zum Projekt im Internet auf der Webseite der Europe's Information Society.