Wirkt sich Erythropoietin negativ auf eine Herceptin-Behandlung aus?

16.11.10

Das Anämie-Medikament Erythropoietin (EPO) könnte sich negativ auf eine gleichzeitige Brustkrebs-Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab (Handelsname Herceptin) auswirken.

Das fanden jetzt Wissenschaftler des MD Anderson Krebszentrums der Universität Texas heraus. "Unsere Studie zeigte, dass bei zeitgleicher Verabreichung beider Medikamente Herceptin weniger gut wirkte”, sagt Professor Zhen Fan, einer der Hauptautoren der Veröffentlichung. HER2-positive Brustkrebszellen scheinen besonders häufig auch Antennen (Rezeptoren) für Erythropoietin auf ihrer Oberfläche zu tragen. Die Gabe des Wachstumsfaktors für die Bildung von roten Blutkörperchen – Erythropoietin – aktiviert über diese Antennen ein Gen namens Src, das der Antikörper Trastuzumab wiederum blockieren soll. Außerdem behindert EPO ein Tumorsuppressorgen namens PTEN, das den Zellselbstmord (Apoptose) einleitet, bei seiner Arbeit. Aber genau PTEN ist ein wichtiger Partner für die Wirkung von Herceptin an den Krebszellen. In der Studie an 111 Brustkrebspatientinnen mit Metastasen hatten die Frauen, die nur mit Trastuzumab behandelt wurden, nach einem Jahr ein deutlich längeres krankheitsfreies Überleben. Da es sich um eine retrospektive Studie handelte, das heißt, da diese Daten erst in der Rückschau erhoben wurden, sind weitere klinische Studien nötig.

Literatur: Ke Liang et al. Recombinant Human Erythropoietin Antagonizes Trastuzumab Treatment of Breast Cancer Cells via Jak2-Mediated Src Activation and PTEN Inactivation. Cancer Cell 18, 423–435, November 16, 2010 ª2010 Elsevier Inc