Studie untersucht krebshemmende Wirkung von Pflanzen-Hormonen

09.12.10

Phyto-Östrogene sind Pflanzenstoffe, die ähnlich wie das menschliche Hormon Östrogen wirken. Sie besitzen viele gesundheitsfördernde Eigenschaften: So können Phyto-Hormone aus Soja beispielsweise Wechseljahresbeschwerden erleichtern. Die Krebsforschung hat herausgefunden, dass Phyto-Östrogene möglicherweise auch das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen. Nun wollen Forscher der Universität Rostock in einem von der Deutschen Krebshilfe unterstützten Projekt die Wirkungsweise der pflanzlichen Östrogene auf Brustkrebszellen näher untersuchen.

Es ist bekannt, dass in asiatischen Ländern wie China, Japan oder Indien weitaus weniger Frauen an Brustkrebs als in westlichen Ländern erkranken. Grund dafür könnte der hohe Gehalt an Phyto-Östrogenen in der traditionellen asiatischen Küche sein. Doch nicht nur exotische Lebensmittel wie Sojabohnen und die daraus hergestellten Produkte enthalten Pflanzenhormone. Auch eine Vielzahl europäischer Gewächse haben Pflanzenhormone als Inhaltsstoffe. Die Wissenschaftler um Professor Dr. Volker Briese von der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik am Klinikum Südstadt Rostock wollen sich in diesem Zusammenhang eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt etwas genauer ansehen: den Lein, auch Flachs genannt.

Lein ist ein weltweit verbreitetes Strauchgewächs. Seit Jahrtausenden wird er zur Herstellung von Textilien, als Heilpflanze und auch als Lebensmittel eingesetzt. Besonders die Leinsamen enthalten große Mengen an Phyto-Östrogenen, es sind die so genannten Lignane. Diese zu den Ballaststoffen gehörenden Stoffe wirken beim Menschen abführend. Lignane haben jedoch eine weitere wichtige Eigenschaft: ihre strukturelle Ähnlichkeit mit dem Sexualhormon Östrogen. Daher werden Lignane als mögliches Mittel gegen Brustkrebs getestet.

Bei etwa zwei Drittel der betroffenen Frauen wächst der Brustkrebs abhängig von Östrogenen. Ihre Krebszellen besitzen Antennen, so genannte Rezeptoren, an die Östrogene binden. Dadurch werden die Zellen zum Wachstum angeregt. Lignane besetzen jedoch diese Bindungsstellen und blockieren damit die Möglichkeit des Tumors, weiter wachsen zu können.

Die Rostocker Forscher stellen Lignan-haltige Extrakte aus der Wurzel des Leins her und untersuchen ihre Wirkungsweise auf Brustkrebszellen. „Phyto-Östrogene könnten verhindern, dass Krebszellen überhaupt erst entstehen. Aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen möchten wir innerhalb der nächsten zwei Jahre daher auch eine Anwendungsmöglichkeit zur Vorbeugung von hormonabhängigen Tumoren entwickeln“, erläutert Briese.

Quelle: Deutsche Krebshilfe