Weniger Zweitoperationen dank Molekulartechnik

28.01.11

Einer der wichtigsten prognostischen Faktoren bei Brustkrebs ist der regionale Lymphknotenstatus. Dieser gibt Auskunft darüber, ob der Tumor bereits in die Lymphknoten der Achselhöhle gestreut hat. Damit beeinflusst die Antwort auf die Frage: Sind Lymphknoten befallen – ja oder nein? maßgeblich wichtige chirurgische und therapeutische Entscheidungen.


Normalerweise wird bei Brustkrebspatientinnen der Lymphknotenstatus in einem sehr frühen Erkrankungsstadium durch eine sogenannte "Wächterlymphknotenbiopsie"  bestimmt. Der Wächterlymphknoten wird während der Operation identifiziert, entfernt und auf Metastasen untersucht. Werden Tumorzellen gefunden, müssen weitere Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt werden.

Optimaler Weise wird bereits während der Operation festgestellt, ob der Wächterlymphknoten befallen ist, so dass die dann eventuell notwendige Entfernung weiterer Lymphknoten während derselben Operation erfolgen kann.

Mit den herkömmlichen Methoden (die Zellen des Lymphknotens werden angefärbt und unter dem Mikroskop untersucht) kann aufgrund der geringen verfügbaren Zeitspanne nur ein sehr kleiner Teil des Lymphknotengewebes während der Operation begutachtet werden. Mikrometastasen in den Lymphknoten werden daher häufig erst nach Beendigung der Operation mittels einer detaillierteren, zeitintensiven Untersuchung entdeckt, die in der Regel erst einige Tage nach dem Eingriff abgeschlossen wird. Bei den betroffenen Patientinnen ist dann oft eine zweite Operation zur Entfernung der verbliebenen Achsellymphknoten erforderlich. Auch die endgültige Therapieentscheidung, z.B. ob eine Chemotherapie nötig ist,  wird erst nach Vorliegen des endgültigen Ergebnisses getroffen.

Dies ist mit einer neuen Methode, OSNA – One Step Nucleic Acid Amplification, vermeidbar. Der Test ermöglicht es, innerhalb des kurzen Zeitfensters während der Erstoperation das komplette Lymphknotengewebe zu untersuchen und somit ein zuverlässiges und definitives Ergebnis bereit zu stellen. Zweitoperationen sowie die psychisch belastende Wartezeit auf das endgültige Ergebnis können somit vermieden und die Anschlussbehandlung sofort nach der Operation begonnen werden.

OSNA ist eine innovative Methode, die sich einer molekularbiologischen Nachweistechnik bedient. In den Zellen des Brusttumors wird ein Stoff  (Marker) produziert, der in einem gesunden Lymphknoten normalerweise nicht vorkommt. Ist dieser Marker im Wächterlymphknoten nachweisbar, ist dies ein Nachweis für eine Streuung des Tumors in die Lymphknoten. Die Methode ist in klinischen Studien mit sehr gutem Erfolg weltweit getestet worden: selbst kleine Metastasen werden schnell  und zuverlässig erkannt.

Europaweit wenden schon über 90 Krankenhäuser den Test bei ihren Brustkrebspatientinnen an. Auch im Klinikum Bayreuth, das seit Beginn 2010  Erfahrung mit OSNA hat, wird die Methode routinemäßig für die Diagnostik bei Brustkrebspatientinnen eingesetzt. (ibw)