Radikale Lymphknoten-Entfernung überflüssig?

21.02.11

Frauen, bei denen zusammen mit dem Tumor auch die Lymphknoten aus der Achselhöhe entfernt wurden, haben hierdurch keinen Überlebensvorteil. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am John Wayne Cancer Institute in Santa Monica durchgeführt wurde und deren Ergebnisse jetzt in der Zeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht wurden.

Die Forscher unter Führung von Armando E. Giuliano hatten insgesamt 891 Brustkrebspatientinnen untersucht. Bei der einen Gruppe, insgesamt 445 Frauen, waren bei der OP zehn oder mehr Lymphknoten entfernt worden.  Bei den übrigen Patientinnen hatten sich die Ärzte dafür entschieden, nur den Wächterlymphknoten – also den Lymphknoten, der dem Tumor am nächsten lag – herauszuoperieren.

Die Wissenschaftler konnten bei der Langzeitbeobachtung der Frauen, die zwischen 1999 und 2004 in die Studie eingeschrieben worden waren, keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Überlebensraten feststellen. Die Frauen, bei denen die Lymphknoten radikal entfernt wurden, litten allerdings nach der Operation häufiger an Wundinfektionen, Schwellungen, Lymphabflussstörungen und unangenehmem Kribbeln.

Für die Mediziner aus Santa Monica haben die Studienergebnisse unmittelbare Auswirkungen auf die gängige OP-Praxis. Sie  folgern daraus, dass die Entfernung der Achsellymphknoten selbst dann, wenn die Wächterlymphknoten befallen sind, bei vielen Frauen nicht mehr gerechtfertigt ist, weil sie keinen Überlebensvorteil nach sich zieht.

Nach Einschätzung von Prof. Nadja Harbeck vom Brustzentrum der Universitätsklinik Köln bestätigen die Ergebnisse, dass es sinnvoll ist, operative Maßnahmen zu überprüfen und ggf. zurückzunehmen. Wurden vor 10 Jahren stets alle Lymphknoten prophylaktisch entfernt,  um eine Ausbreitung des Tumors zu verhindern, geschieht dies jetzt nur noch, wenn die Wächterlymphknoten Brustkrebszellen aufweisen. Die neuen Studienergebnisse aus America zeigen nach Auskunft der Kölner Brustkrebsspezialistin, dass auch diese Praxis nun zu überprüfen ist. Selbst wenn ein oder zwei Wächterlymphknoten von Tumorzellen befallen sind, reicht es aus, diese Lymphknoten zu entfernen. Eine Radikal-OP ist nicht mehr notwendig. Profitieren können nach Einschätzung von Prof. Habeck allein in Deutschland etwa 5000 bis 10.000 der insgesamt 18.000 Frauen, die pro Jahr an Brustkrebs erkranken (akk).

Literatur: Giuliano A. et. Al (2011): Axillary Dissection vs No Axillary Dissection in Women With Invasive Breast Cancer and Sentinel Node Metastasis, JAMA, Vol.305, N.7: 645-732