Auch Passivrauchen ein Risikofaktor für Brustkrebs?

14.03.11

Frauen, die rauchen oder über Jahre als Passivraucherinnen Tabakqualm einatmen müssen, haben nach den Wechseljahren ein signifikant höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken als Nichtraucherinnen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine prospektive Studie, die unter Federführung von Dr. Juhua Luo von der West Virgina Universität und Dr. Karen Margolis von der Health Partner Research Foundation in Minneapolis durchgeführt wurde. Die Wissenschaftlerinnen haben im Rahmen der Untersuchung, deren Ergebnisse jetzt im Britischen Ärzteblatt veröffentlicht wurden, die Daten von fast 80.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 79 aus 40 Kliniken in den USA analysiert. Die Forschungsgruppe konnte die Rohdaten aus einer Beobachtungsstudie der Women’s Health Initiative nutzen, die in den Jahren zwischen 1993 und 1998 Zusammenhänge Zusammenhang zwischen Rauchen, Passivrauchen und Brustkrebs herausfinden wollte.

Bei 3.250 dieser Frauen entwickelte sich in der zehnjährigen Nachbeobachtungszeit ein invasives Mamma-Karzinom. Dabei fanden die Wissenschaftlerinnen heraus: Raucherinnen haben ein um 16 Prozent höheres Risiko als Nichtraucherinnen, nach den Wechseljahren Brustkrebs zu bekommen. Bei früheren Raucherinnen ist das Risiko immerhin noch um 9 Prozent erhöht. Wenig überraschend: Frauen die 50 Jahre und mehr rauchen, haben im Vergleich zu lebenslangen Nichtraucherinnen das höchste Gefährdungspotential für Brustkrebs. Erstaunlich aber, dass der Risikofaktor „Rauchen“ auch noch dann nachweisbar ist, wenn eine Frau bereits seit mehr als 20 Jahren bekennende Nichtraucherin ist. 

Das eigentlich überraschende Ergebnis ist aber der Einfluss des Passiv-Rauchens auf eine mögliche Entstehung von Brustkrebs. Hier fanden die amerikanischen Wissenschaftler heraus, dass Frauen, die vom Kindesalter an „mitrauchen“ und später am Arbeitsplatz oder zu hause weiterhin in rauchender Gesellschaft sind, ein um 32 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko 
haben. Dieses war der höchste Risikowert, der im Rahmen der Studie im Vergleich zur Kontrollgruppe ermittelt wurde (Hazard Ratio). Bei einer kürzeren Zeit des Passiv-Rauchens war dagegen kein signifikanter Zusammenhang mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko nachweisbar. Die Wissenschaftler raten deshalb dazu, im Hinblick auf die Bedeutung des Passiv-Rauchens als Risikofaktor noch weitere Studien abzuwarten. Eine klare Handlungsanweisung geben sie aber schon jetzt - unabhängig von weiteren Forschungsergebnissen – im Hinblick auf das Rauchen: „Wir brauchen Maßnahmen, die verhindern, dass mit dem Rauchen überhaupt begonnen wird – besonders in jungem Alter. Und wir müssen alle bestärken, mit dem Rauchen aufzuhören – unabhängig vom Lebensalter“, so die Schlussfolgerung von Dr. Margolis. (akk)

Literatur: Juhua Luo, Karen L Margolis, Jean Wactawski-Wende, Kimberly Horn, Catherine Messina, Marcia L Stefanick, Hilary A Tindle, Elisa Tong, Thomas E Rohan: Association of active and passive smoking with risk of breast cancer among postmenopausal women: a prospective cohort study (BMJ 2011; 342: d1016, März 2011)