Brustkrebs bei Mensch und Hund – Empfangsantennen für den Tumormarker CEA sind identisch

20.04.11

Hund und Mensch scheinen in manchen Bereichen biologisch doch näher verwandt zu sein als bisher angenommen. Zumindest gilt das für den Rezeptor für den Tumormarker CEA (carcinoembryonales Antigen), der auch beim Brustkrebs eine Rolle spielt.

In einer Vergleichsstudie, die von der Medizinischen Universität Wien und der Vetmeduni Vienna durchgeführt wurde, fanden die Forscher heraus: Der CEA-Rezeptor in Brustkrebszellen ist bei Hunden und Menschen annähernd gleich aufgebaut.

Die Wissenschaftler, die unter Leitung von Prof. Erika Jensen-Jarolim Brustkrebszellen von Menschen und Milchdrüsen-krebszellen von Hunden untersucht und miteinander verglichen hatten, haben dafür folgende Erklärung: Beim CEA-Rezeptor – CEA ist einer der wichtigsten Tumormarker, der bei Krebs in sehr hohen Konzentrationen auftritt – handelt es sich um ein „evolutionär“ sehr altes Molekül. Dessen Wichtigkeit ist für Mensch und Hund – trotz anderer unterschiedlicher biologischer Entwicklungen im Verlauf der Evolution gleich geblieben. Die Studie zeigt aber auch: Das CEA-Antigen selbst ist – anders als seine Empfangsantennen - bei Mensch und Tier sehr unterschiedlich aufgebaut ist. Und Das Antigen stellt ein besonders uneinheitliches, komplexes System aus mehreren unterschiedlichen Molekülfamilien dar.

Die Forscher wollen die Ergebnisse ihrer Studie nun für die Entwicklung von neuen Behandlungsstrategien bei Brustkrebs – für Mensch und Hund nutzen. Prof. Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie & Allergieforschung (IPA) an der MedUni Wien und stellvertretende Universitätsrats-vorsitzende der Vetmeduni Vienna, sieht dabei vor allem folgenden Vorteil: "Da Hunde eine kürzere Lebenszeit haben als Menschen, laufen die entsprechenden Zyklen schneller ab. Das bedeutet, es gibt auch rascher Forschungsergebnisse. Durch vergleichende Forschung zwischen den Spezies könnte es gelingen, wesentlich rascher neue Generationen von Diagnostika und Therapeutika zu entwickeln, die für Mensch und Tier anwendbar sind.

Die entscheidende Frage, die es im Rahmen weiterer Forschungen jetzt zu beantworten gilt, ist nach Ansicht des Forscherteams: Welche löslichen Moleküle in menschlichem Brustkrebs oder im Milchdrüsenkrebs des Hundes können am CEA Rezeptor andocken und lassen sich dort anbinden? Und: Lässt sich dieses Wissen für neue Therapieansätze nutzen? Auf die Lösung dieses Rätsel darf sicherlich nicht nur die Forschung gespannt sein. (akk)

Literatur: Phylogenetic discordance of human and canine carcinoembryonic antigen (CEA, CEACAM) families, but striking identity of the CEA receptors will impact comparative oncology studies.