Wie kommen Brustkrebszellen in die Lymphknoten?

30.04.11

Auf diese Frage haben Wissenschaftler am Klinischen Institut für Pathologie der Universität Wien nun in fünfjähriger Forschungsarbeit eine Antwort gefunden, die sich ganz einfach anhört: Die Tumorzellen bohren ein Loch in die Gefäßwand – so das Resümee des Studienleiters, Prof. Dontscho Kerjaschki.

Tumore zerstören den Organismus zunächst nur lokal. Solange sich z. B. ein Brustkrebs auf die Brust beschränkt,  ist die Krankheit meist heilbar. Breitet sich die Krankheit im Körper aus und siedelt Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen ab, ist die Behandlung weitaus komplexer und die Prognose für die Patientin vielfach schlechter.
   
Der Weg der Tumorzellen zu den Organen führt über zwei Wege: Das Blut und die Lymphe. In den Lymphknoten der Achselhöhle siedeln sich zumeist die ersten Metastasen des Brustkrebses an.  Wie die Tumorzellen den Weg hierhin finden,  konnte die Wiener Forschergruppe nun nachweisen. Maßgeblich an diesem  Prozess ist das Enzym Lipoxygenase (eine chemische Verbindung aus ungesättigten Fettsäuren und Sauerstoff) beteiligt.
Denn die Tumorzellen bilden mit Hilfe dieses Enzyms ein bio-aktives Abbauprodukt der Arachidonsäure (diese ist u.a. für das Entstehen von Entzündungen im Körper mitverantwort-lich). Die so entstandene Verbindung sorgt dafür, dass sich die Zellen an der Gefäßinnenwand (Endothelzellen), die für die Bildung der Lymphgefäße zuständig sind, zurückziehen, wenn sie mit den Tumorzellen in Kontakt kommen. Die Folge: In der Gefäßwand entsteht eine Öffnung, durch die die Tumorzellen in die Lymphgefäße eindringen können. Diesen Prozess konnten die Forscher im Mäuseversuch nachweisen.
Gleichzeitig gelang es den Wiener Studiengruppe auch, das Eindringen der Tumorzellen in die Lymphgefäße und somit die Metastasierung in den Lymphknoten zu verhindern. Dazu unterdrückten sie genetisch den enzymatischen Prozess, der den Tumorzellen das Eindringen ermöglicht. Das Gleiche gelang auch durch Einsatz von pharmakologischen Substanzen.

Dabei zeigte sich, dass eine Substanz aus der Wurzel der chinesischen Heilpflanze Scutellaria baicalensis (Baikal Helmkraut), die in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten auch in der Krebsbehandlung eingesetzt wird, die Entstehung der gefährlichen Botenstoffe der Tumorzellen  sehr wirkungsvoll verhindert. Als  Grundlagenforscher sieht  Kerjaschki laut Pressemitteilung seine Aufgabe allerdings nicht primär in der Erforschung von Therapiemöglichkeiten. Ihm geht es vor allem darum, die Wirkprinzipien zu verstehen: „Mit den Techniken und Methoden, die wir entwickelt haben, kommen wir hoffentlich auch den Mechanismen näher, mit denen Tumorzellen in Blutgefäße eindringen.“ (akk)

Literatur: Dontscho Kerjaschki et al.: Lipoxygenase mediates invasion of intrametastatic lymphatic vessels and propagates lymph node metastasis of human mammary carcinoma xenografts in mouse,  (Journal of Clinical Investigation, 11.4.)  Abstract: JCI (abstract)