Bluthochdruck und Brustkrebs: Erhöhen ACE-Hemmer das Risiko für ein Rezidiv?

10.05.11

Sie gehören zu den Medikamenten, die am häufigsten zur Senkung des Bluthochdrucks und bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden. Jetzt sind die ACE Hemmer (ACE = englisch :Angiotensin-Converting-Enzyme, Angiotensin-Verwandlungs-Enzym) in Verdacht geraten, bei Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, mit einem erhöhten Risiko für ein Rezidiv einherzugehen. Das ist das Ergebnis einer Studie mit 1179 Brustkrebs-patientinnen, die Wissenschaftler vom UCLA’s Jonsson Comprehensive Cancer Center jetzt in Los Angelos vorstellten.

Das Team unter der Führung von Patricia Ganz beobachtete über einen Zeitraum von acht Jahren, welchen Einfluss die Einnahme von Betablockern und ACE-Hemmern bei der Entwicklung von Brustkrebsrezidivden hatte. Die Datengrundlage lieferten die  Studienteilnehmerinnen aus der LACE-Studie (Life after Cancer Epidemiology ), in die insgesamt 1179 Frauen mit  Brustkrebs in einem frühen Stadium eingeschlossen waren. Diese Gruppe eignete sich besonders für die Untersuchungen der Forscher aus Los Angelos, da sich Medikamenteneinnahmen, Krebsstadium und Behandlungsmethoden gut überprüfen ließen.

Und das konnten die Wissenschaftler beobachten: 292 Brustkrebspatientinnen bekamen ein Brustkrebsrezidiv. Einen Betablocker oder ACE-Hemmer nahmen dabei 23 Prozent der Studienteilnehmerinnen ein. Die Patientinnen, die diese Medikamente zur Blutdruckharmonisierung verordnet bekamen und einnahmen, waren insgesamt älter, hatten die Wechseljahre bereits hinter sich und  litten auch unter anderen Gesundheitsproblemen wie Diabetes und Übergewicht.

Die Analyse der Daten zeigte ferner: Frauen, die einen ACE-Hemmer einnahmen, hatten ein statisch signifikant höheres Risiko für einen Rückfall  als diejeinigen, die einen Betablocker bekamen.

Die Folgerung der amerikanischen Wissenschaftler: Sollte sich das Risiko, erneut an Brustkrebs zu erkranken, dadurch senken lassen, dass statt eines ACE-Hemmers bei Brustkrebspatientinnen zur Blutdrucksenkung ein Betablocker eingesetzt wird, eröffnete sich dadurch die Möglichkeit einer neuen vorbeugenden Behandlungsmethode. Um  die biologischen Grundlagen und Wirkungsmechanismen besser zu verstehen, stellt die Forschungsgruppe um Patricia Ganz die Ergebnisse ihrer Untersuchung  jetzt im Mausmodell weiter auf den wissenschaftlichen Prüfstand.  In einer Studie mit Mäusen hatten die Forscher bereits früher den Zusammenhang zwischen chronischem Stress und Brustkrebswachstum belegen können. Damals erhielten die gestressten Mäuse einen Betablocker und die  Wissenschaftler konnten beobachten, dass der Krebs langsamer oder gar nicht mehr voranschritt.

Auch wenn die abschließenden Studienresultate noch nicht vorliegen, empfiehlt Patricia Ganz Ärzten, die Brustkrebspatientinnen behandeln, weitere chronische Erkrankungen zu berücksichtigen und die Medikamenteneinnahme regelmäßig zu prüfen. (akk)

Literatur: Patricia A. Ganz et. Al.: Examining the influence of beta blockers and ACE inhibitors on the risk for breast cancer recurrence: results from the LACE cohort,  Breast Cancer Research and Treatment (DOI 10.1007/s10549-011-1505-3).