Familiärer Brustkrebs: Mamma –MRT ist in der Früherkennung unverzichtbar!

06.06.11

Die Kernspintomographie der Brust (Mamma-MRT) ist der Mammographie bei der Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen, die zur Hochrisikogruppe zählen, überlegen. Diese Einschätzung gab Prof. Ulrich Bick, Radiologe an der Charité Berlin und Leiter des dortigen Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs auf dem diesjährigen Röntgenkongress in Hamburg. Damit bestätigte der Berliner Mammadiagnostiker die Ergebnisse der EVA-Studiengruppe, die unter der Leitung von Prof. Christiane Kuhl die Vorteile der MRT-Diagnostik bei Frauen mit erhöhtem Risiko bereits 2010 nachweisen konnte.

Frauen, die das sogenannte BRCA-Gen in sich tragen und in deren Umfeld meist zwei bis drei Verwandte Brustkrebs bekommen haben,  erkranken häufiger an Brustkrebs – und zwar in jungem Lebensalter und damit zu einem Zeitpunkt, wo die Mammographie auf Grund des dichten Drüsengewebes in der Brust oftmals blind ist. Außerdem sind bestimmte, besonders aggressive Tumorvarianten mammographisch oft überhaupt nicht darstellbar.

Dieses diagnostische Leck kann die Mamma-MRT schließen, die als Verfahren mit der „höchsten Sensivität“ nach Auskunft von Prof. Bick  „die Detektion kleinster Veränderungen der Brust – und zwar bereits ab einer Größe von fünf Millimetern“ ermöglicht.  Obwohl es auch bei der MRT zu falsch positiven Befunden kommen kann – nach Einschätzung von Prof. Uwe Fischer vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für individuelle Mammadiagnostik (AiM) e.V. ist das vor allem auf ungeeignete Geräte und eine fehlende Expertise der Untersucher zurückzuführen -  hat die MRT „klare Vorteile  gegenüber Mammographie bei der Beurteilung dichten Brustgewebes hat - vor allem bei Frauen unter 50“, so das Fazit von Prof. Bick.

Deshalb ist die Mamma-MRT Teil des intensivierten Früherkennungsprogramms für Frauen, bei denen die Genmutationen BRCA 1 und BRCA 2 nachgewiesen wurden. Sie können vom 30. Lebensjahr an zusätzlich zur halbjährlichen Ultraschalluntersuchung der Brust und zur Mammographie  ein Mamma-MRT in Anspruch nehmen.

Allerdings wird gibt es gerade hinsichtlich der Früherkennung von Brustkrebs bei Hochrisikopatientinnen immer noch große Informationsdefizite. Zu häufig wird das familiär bedingte Risiko nämlich erst dann erkannt, wenn die Frau an Brustkrebs erkrankt. Den größten Nutzen von einer intensivierten Früherkennung haben aber gesunde Frauen, die die Risiko-Gene in sich tragen. Viele wissen gar nicht um eine mögliche Gefährdung.  Deshalb ist nach wie vor Aufklärungsarbeit zu leisten. Wenn in einer Familie gehäuft in jungem Lebensalter Brustkrebserkrankungen bei nahen Verwandten vorkommen,  sollte das Anlass dafür sein, ein ausführliches Beratungs-gespräch mit einem erfahrenen Arzt zu führen oder sich an eines der Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs zu wenden, rät der Berliner Radiologe.

Aufklärungsarbeit ist sicherlich auch noch in anderer Richtung zu leisten. Wenn die MRT der Mammographie bei „Hochrisikofrauen“ mit dichtem Drüsengewebe überlegen ist, dürfte sich der diagnostische Vorteil  der Methode auch bei der Früherkennung von Brustkrebs insgesamt zeigen. Hier sollte die deutsche Mammadiagnostik im Interesse der Frauen ehrlich sein und Farbe bekennen. Die These, die Mammographie sei der „Goldstandard der Früherkennung“ sollte endlich dem Plädoyer für eine dem individuellen Risiko der Frau entsprechende Diagnostik unter Einschluss aller Verfahren weichen – und zwar für Frauen jeder Altersgruppe, mit und ohne familiäres Risiko (akk).

Weitere Infos: Deutsche Röntgengesellschaft, Deutscher Röntgenkongress 2011