Nebenwirkungen der Chemo: Was hilft gegen Entzündungen der Mundschleimhaut?

08.06.11

Die Chemotherapie zeigt nicht nur Wirkung, sondern verursacht auch viele Nebenwirkungen. Eine davon: Schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut, die sogenannte orale Mukositis, von der auch der Rachenraum und die Speiseröhre betroffen sein können.

40 Prozent aller Patienten, die eine Standard-Chemotherapie erhalten, leiden darunter. Bei denjenigen, die sich einer Hochdosis-Chemotherapie unterziehen müssen, sind es sogar 75 Prozent. Je nach Schweregrad reichen die Symptome von einer einfachen Rötung, über Schwellungen mit Wundgefühl bis hin zu blutenden Geschwüren. Häufig können die Patienten keine Nahrung mehr zu sich nehmen und auch das Sprechen und Schlafen fällt schwer.

Forscher der  Cochrane Oral Health Group der Zahnklinik der Universität Manchester untersuchten deshalb, ob es Mittel und Möglichkeiten gibt, um das Entstehen einer Mukositis von vornherein zu verhindern. Sie verglichen dabei bis Februar 2011 auf Basis von 131 wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit einzelner Therapien untereinander und im Verhältnis zu Placebo und gar keiner Therapie. Die Wissenschaftler konnten dabei auf die Datenbasis von mehr als 10.500 Krebspatienten zurückgreifen.

Das Ergebnis der Untersuchung: Für zehn Behandlungsalternativen, die jeweils mit mehr als einer Studie in die Auswertung einbezogen wurden, konnten die englischen Wissenschaftler einen statistisch belegten schützenden oder vorbeugenden Effekt nachweisen. Dazu gehörten Aloe vera,  Amifostin (eine zellschützende Substanz, die freie Radikale bindet), die Behandlung mit Eiswürfeln oder Speiseeis (kein saures Fruchteis), intravenös verabreichtes Glutamin, Honig, eine Antibiotika-Kombinationstherapie (Polymyxin-Tobramycin-Amphotericin) in Form von Pasten oder Pastillen und die Gabe von Sucralfat (Sucralfat ist ein Wirkstoff, der an der Schleimhaut  über erkrankten und geschädigten Stellen eine Schutzschicht bildet). Auch eine Behandlung mit  G-CSF (Granulozyten-Koloniestimulierenden Faktor) einer Substanz, die die Bildung von Leukozyten anregt sowie die Therapie mit Medikamenten, die den Keratinozyten-Wachstumsfaktor enthalten und eine Lasertherapie linderten die Symptome  oder wirkten sogar vorbeugend.

Allerdings: Nicht jede dieser Behandlungsmethoden wirkt bei jeder Krebserkrankung oder jeder Krebstherapie gleich gut. Deshalb sind nach Einschätzung der Studiengruppe weitere Untersuchungen erforderlich, um exakt zu ermitteln, welche Therapie bei welcher Untergruppe am erfolgversprechendsten ist. Im Interesse der betroffenen Patientinnen und Patienten sollte diese Studien zeitnah an den Start gebracht werden. (akk)

Literatur : Worthington HV, Clarkson JE, Bryan G et al. Interventions for preventing oral mucositis for patients with cancer receiving treatment. Cochrane Database Syst Rev 2011;4:CD000978