Kann der Aromatasehemmer Exemestan Brustkrebs verhindern?

20.06.11

Der Aromatasehemmer Exemestan – ein Medikament, das in der Brustkrebstherapie eingesetzt wird, um die Produktion des weiblichen Hormons Östrogen blockieren – senkt für Frauen nach den Wechseljahren das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die anlässlich der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Anfang Juni in Chicago vorgestellt und im renommierten Fachblatt New England Medical of Medicine veröffentlicht wurde.

An der Untersuchung nahmen insgesamt 4560 Frauen aus den USA, Kanada, Spanien und Frankreich teil. Ein Teil von ihnen war bereits einmal an Brustkrebs erkrankt, ein anderer hatte auf Grund anderer Faktoren (genetisches Risiko, Brustkrebserkrankungen bei nahen Verwandten, Lebensalter über 60) ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Alle Frauen nahmen fünf Jahre lang entweder 25 Milligramm des Wirkstoffs „Exemestan“ oder ein Placebo – ein wirkstoffloses Medikament – ein. Nach etwa der Hälfte der Beobachtungszeit hatte sich bei 11 Frauen in der Exemestan-Gruppe ein bösartiger Tumor in der Brust entwickelt. In der Placebo-Kontrollgruppe waren im gleichen Zeitraum 32 Frauen an Brustkrebs erkrankt. Durch die Einnahme des Medikaments konnte das „relative Brustkrebsrisiko“, so Studienleiter Paul Goss von der Harvard Medical School, um 65 Prozent gesenkt werden. Im Hinblick auf die Verringerung des absoluten Erkrankungsrisikos  für die einzelne Frau scheint die Studie allerdings auf Grund des kurzen Beobachtungszeitraums und der geringen Zahl der Erkrankungsfälle noch zu wenig aussagefähig.

Dennoch glauben die amerikanischen Forscher, eine neue Option zur Vorbeugung von Brustkrebs gefunden zu haben.  Denn die Einnahme des  Aromatasehemmers wirkte sich auch günstig im Hinblick auf die Ausbildung von Krebsvorstufen (DCIS, LCIS) sowie atypische Zellveränderungen in den Milchgängen und Drüsenläppchen aus. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass sich durch Einnahme von Exemestan über einen längeren Zeitraum auch das Auftreten invasiver Brusttumoren verringern lässt. Selbst Her-2-neu positve Tumore traten in der Exemestan-Gruppe viel seltener auf.

Die amerikanische Studiengruppe führt diesen Effekt darauf zurück, dass der gut verträgliche Aromatasehemmer Exemestan die körpereigene Produktion des Hormons Östrogen vermindert. Dieses Hormon ist bei Frauen nach den Wechseljahren ein Wachstumsbschleuniger von Brustkrebs.

Auch andere Medikamente wie Tamoxifen oder Raloxifen bremsen die Östrogen-Produktion im Körper – haben aber deutlich mehr Nebenwirkungen als der Exemestan. So begünstigt ihre Einnahme z.B. die Entstehung von Gebärmutterkrebs und führt zu einer erhöhten Thromboseneigung. Deshalb dürften diese Präparate von den Frauen zur Brustkrebsvorbeugung weniger akzeptiert werden.

Da die Studie bislang nur einen geringen persönlichen Nutzen für die Frauen nachweisen konnte,  scheint ungewiss, ob sich viele zur vorbeugenden Einnahme eines Aromatasehemmers motivieren lassen.  Zumal die Einnahme ebenfalls mit Nebenwirkungen (Hitzewallungen, Arthritis) verbunden ist. Viele werden einem Screening den Vorzug vor einer vorbeugenden Therapie geben, zumal  die Therapieergebnisse bei Brustkrebs gerade dann sehr gut sind, wenn ein Tumor in einem frühen Stadium entdeckt wird.

Unklar ist derzeit auch, ob auch andere Aromatase-Hemmer wie Anastrozol oder Letrozol die gleiche Brustkrebs-präventive Wirkung wie Exemstan entfalten können. Forscher von der Universität Pittsburgh vermuten dies zwar, Ergebnisse wissenschaftlicher Studien dazu stehen aber noch aus. (akk)

Literatur: Paul E. Goss, M.D., Ph.D., James N. Ingle, M.D., José E. Alés-Martínez, M.D., Angela M. Cheung et. Al.: Exemestane for Breast-Cancer Prevention in Postmenopausal Women, New England Journal of Medicine (NEJM 2011; doi: 10.1056/NEJMoa1103507)