Onkologie: Mehrheit der Ärzte verzichtet gelegentlich aus Kostengründen auf die optimale Therapie

30.06.11

„Der Einstieg in die Rationierung am Krankenbett hat auch in der Onkologie begonnen.“ Das ist das Resümee zu den Ergebnissen einer repräsentativen Umfragen unter Onkologen und Hämatologen, das Prof. Stefan Krause vom Arbeitskreis „ DRG und Gesundheitsökonomie“ der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) jetzt auf einer Pressekonferenz in Berlin zog.

Die DGHO hatte ihre Mitglieder dazu befragt, inwieweit Kostenaspekte Therapieentscheidungen in Klinik und Praxis beeinflussen. An der Umfrage, deren Zwischenergebnisse Prof. Krause präsentierte, haben sich insgesamt 345 Ärzte (Kliniker und Niedergelassene) beteiligt. 98 Prozent der Befragten gaben an, dass der sparsame Umgang mit Ressourcen im Alltag von Klinik und Praxis inzwischen selbstverständlich sei. Mindestens einmal pro Woche entscheiden sich 65 Prozent der Onkologen für eine preiswertere Therapiemöglichkeit oder ein billigeres Medikament, wenn mehrere weitgehend gleichwertige Alternativen zur Verfügung stehen.

Auch die Einschätzung der Kosten-Nutzen-Relation spielt im therapeutischen Alltag eine gravierende Rolle. Knapp 60 Prozent der befragten Onkologen verzichten – so ein weiteres Ergebnis der Befragung – aus Kostenerwägungen auf bestimmte Behandlungsmaßnahmen, weil der Mehr-Nutzen im Vergleich zum erhöhten Kostenaufwand ihrer Meinung nach zu gering ist. Eine weitere Hürde stellt die fehlende Zulassung von Medikamenten dar. Selbst die Ärzte  in einer Behandlungsmöglichkeiten einen Nutzen sehen, verzichten laut Umfrage 68 Prozent auf den Einsatz von Therapien,  die noch keine europäischen Zulassung für die jeweilige Indikation haben.

Selbst dann, wenn eine Behandlung nach aktueller Studienlage einen erheblichen Mehrnutzen für den Patienten mit sich bringt und auch zugelassen ist, verzichtet knapp ein Fünftel der Onkologen aus Kostengründen auf den Einsatz der Therapie.

Bei den Befragungsergebnissen handelt es sich zwar um subjektive Einschätzungen , so Prof. Gerhard Ehninger, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO.  Die Resultate zeigen aber, dass die Rationierung – was Gesundheitspolitik und Krankenkassen nicht wahrhaben wollen und bewusst verschweigen – bereits im Versorgungsalltag von Klinik und Praxis angekommen ist – mit „willkürlichen Leistungsbegrenzungen nach intransparenten Kriterien“, so Prof. Ehninger.

Nach Ansicht der DGHO ist deshalb eine öffentliche Diskussion darüber erforderlich, wie teure Therapien in der Onkologie weiterhin für alle Patienten finanziert werden können.

Alle Ergebnisse der Umfrage werden auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie Anfang Oktober in Basel öffentlich präsentiert. (akk)

Quelle: Presseinformation der DGHO  www.dgho.de