Blockade der männlichen Sexualhormone stoppt Wachstum bestimmter Brustkrebstypen

20.07.11

Das Wachstum von Brustkrebszellen lässt sich auch stoppen, wenn man die Empfangsantennen der männlichen Sexualhormone – die Androgenrezeptoren – durch spezielle Medikamente blockiert. Der „Androgenstopper“ wirkt vor allem bei solchen Tumoren, die den Her2 neu Rezeptor aufweisen, für das weibliche Hormon „Östrogen“ aber nicht empfänglich sind. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler des Dana Faber Cancer Instituts, Boston, jetzt im Fachjournal Cancer Cell veröffentlichten.

Bei vielen Frauen wird das Wachstum von Brusttumoren vor allem durch das Sexualhormon „Östrogen“ begünstigt und gefördert. Tumore, die mit den Östrogenantennen ausgestattet sind, lassen sich durch eine antihormonelle Therapie mit dem Östrogenblocker Tamoxifen oder einen Aromatasehemmer gut bekämpfen. Bei 20 bis 30 Prozent der Brustkrebspatientinnen fehlen aber gerade diese Hormonantennen, so dass die gängige  antihormonelle Therapie nicht anschlägt.

Gerade diese Frauen könnten von den neuen Erkenntnissen aus Boston profitieren. Die Forscher aus Massachusetts entdeckten nämlich einen Typ von Brustkrebs, dessen Wachstum vor allem durch männliche Sexualhormone angekurbelt wird.  Nach Auffassung der Studiengruppe unter der Leitung von Myles Brown handelt es sich hierbei um einen neuen Untertyp von Brusttumoren. Diese wachsen unter dem Einfluss von Androgen,  sind aber nicht empfänglich für das weibliche Östrogen.

Im Rahmen ihrer Forschungen analysierten die Wissen-schaftler viele Brustkrebszellen und entdeckten dabei eine neue Gruppe von Tumoren: Diese besaßen eine Vielzahl an Androgenrezeptoren, viele HER2-Rezeptoren, aber keine Östrogenrezeptoren. Waren die Zellen dem männlichen Sexualhormon Androgen ausgesetzt, teilten und vermehrten sich bei diesem Tumortyp die Zellen dann rasant.  Das Androgen wirkte – ähnlich wie das Östrogen bei anderen Brustkrebstypen – wie ein Wachstumsbeschleuniger.

Durch die Die DNA-Analyse dieser Krebszellen konnten die Wissenschaftler feststellen, welche Bereiche der DNA an den Androgenrezeptor binden. Die Bostener Forscher fanden dabei in zahlreichen Laborversuchen und  im Mausmodell heraus, dass  HER2 und WNT (Wingless-Int) den  Tumorzellen als Signalwege dienen. Wurden der Antrogenrezeptor und diese Signalwege durch bestimmte Stoffe blockiert, verlangsamte sich bei den Versuchsmäusen das Tumorwachstum.

Die Forscher glauben, dass ihre Forschungsergebnisse schon bald Grundlage dafür sind,  Frauen, deren Brustkrebs androgenrezeptor-positiv ist (der neue Brustkrebstyp ist bei rund 10 Prozent der Patientinnen nachweisbar), eine effektive Therapiealternative zu eröffnen.  Am erfolgversprechendsten erscheinen derzeit kombinierte Behandlungsstrategien, die sich gegen Proteine an den verschiedenen Punkten des Signalwegs richten – so Myles Brown. (akk)

Literatur: Min Ni, Yiwen Chen, Elgene Lim, Hallie Wimberly, Shannon T. Bailey, Yuuki Imai, David L. Rimm, X. Shirley Liu, Myles Brown: Targeting Androgen Receptor in Estrogen Receptor-Negative Breast Cancer, Cancer Cell, 20(1) pp. 119 - 131