Neue Kombi-Therapie bei Wirbelsäulenmetastasen: Tumore „verkochen“ und gleichzeitig den Wirbelkörper stabilisieren

25.07.11

Die orthopädische Universitätsklinik Mainz hat jetzt mit einem weltweit einzigartigen Verfahren therapeutisches Neuland bei der Behandlung von Wirbelsäulenmetastasen betreten. Wie die Klinik in einer Pressemitteilung berichtet, handelt es sich hierbei um eine Kombinationstherapie aus einer sogenannten Radiofrequenz-Ablation und einer gleichzeitigen Kyphoplastie.

Dabei wird die Metastase zunächst mit einer speziellen, gut steuerbaren Sonde, die direkt an das Tumorareal herangeführt wird und Hitze  erzeugt, verkocht. Anschließend wird der Wirbelkörper an dergleichen Stelle  mit einem besonderen, besonders zähflüssigen Knochenzement sofort wieder aufgefüllt und dadurch stabilisiert.  Die gesamte Operation dauert etwa eine Stunde. Ziel der Behandlung ist es, Patienten, die unter schmerzhaften Metastasen in der Wirbelsäule leiden, schneller und effizienter als bisher zu helfen.

An der Universitätsklinik Mainz läuft derzeit eine Studie mit 10 Patienten,  in deren Verlauf Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Methode weiter geprüft werden sollen.  Nach Ansicht des Direktors der orthopädischen Universitätsklinik; Prof. Andreas Kurth werden die  Resultate der Untersuchung „ wesentliche Informationen über die Wirksamkeit der Behandlung mit Radiofrequenz-Ablation bei Wirbelkörpermetastasen liefern“.  Die Mediziner sind davon überzeugt, dass die „neue Behandlungsmethode, die gleichzeitig die Tumore behandelt und die Wirbelsäule mit knochenschonender Kyphoplastie stabilisiert, essenziell zur Erhöhung der Lebensqualität der Patienten beiträgt."

Das neue System für die Radiofrequenz-Ablation, mit dem die Metastasen verkocht werden, wurde von der Universität Mainz zusammen mit einem amerikanischen Medizintechnik-Unternehmen entwickelt und hat in den USA bereits die Zulassung der FDA (Food and Drug Administration) für die Behandlung von Wirbelsäulentumoren erhalten.  Die Mainzer Ärzte wollen mit ihrer Studie dazu beitragen, dass das Verfahren auch in Europa eine Zulassung erhält.

Unter Knochenmetastasen – meist in der Wirbelsäule – leiden in Deutschland nach Auskunft der Uni Mainz schätzungsweise 26.000 Brustkrebspatientinnen. Die bislang gängige Behandlungsoptionen sind die medikamentöse Schmerztherapie und die Bestrahlung der Metastasen von außen. Dabei tritt die Schmerzlinderung oft erst verzögert ein.

Außerdem muss häufig die Chemotherapie, die den Primärtumor bekämpfen soll, ausgesetzt werden, um die Nebenwirkungen  in erträglichen Grenzen zu halten. Prof. Kurth sieht den besonderen Vorteil der neuen Therapie in einer schnellen Schmerzlinderung, weil  die  Metastasen an der Wirbelsäule gezielt und direkt zerstört werden – ohne das umliegende Nervengewebe zu zerstören. Außerdem muss die Primärtherapie nicht unterbrochen werden.

"Wir erhoffen uns, dass wir mit der minimal-invasiven, navigierbaren Radiofrequenz-Ablation die schnellstmögliche und effizienteste Schmerzreduktion erlangen können und zu einem signifikanten Fortschritt in der Behandlung dieser Patienten beitragen", so das Resüme von Prof. Kurth.(akk)

Quelle: Presseinformation der Universität Mainz, www.uni-mainz.de/presse