Neues Röntgenverfahren verbessert Brustkrebsdiagnose

08.08.11

Die Früherkennung von Brustkrebs könnte sich in nächster Zeit deutlich verbessern. Schweizer Forscher haben eine neue Röntgen-Methode entwickelt, durch die sich krankhafte Veränderungen in der Brust besser als mit der herkömmlichen Mammographie darstellen lassen.

In der sogenannten „differentiellen Phasenkontrast-Mammographie“ lassen sich auch solche Gewebestrukturen darstellen, bei denen die herkömmliche Mammographie blind ist. So lassen sich nach Auskunft der Forscher des Paul Scherrer Instituts (PSI) und der ETH Zürich, die ihre Untersuchungsergebnisse jetzt im Fachmagazin „Investigative Radiology (DOI: 0.1097/RLI.0b013e31822a585f) vorstellten, auch kleinste Krebsknötchen identifizieren. Auch die Unterscheidung von Narben und Tumorgewebe ist  mit der neuen Methode – anders als bei konventionellen Mammographie – möglich. Bei dieser wird die Brust nur mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Tumore und andere krankhafte Veränderungen, aber auch ungefährliche Kalkeinlagerungen und Drüsengänge, die die Strahlen nicht passieren können, erscheinen im Röntgenbild als weiße Schatten.

Das neue Verfahren, das die Wissenschaftler auf Basis von Gewebeproben von frisch operierten Frauen testeten,  registriert dagegen nicht nur wie die Mammographie, wo und von welchen Gewebestrukturen die Röntgenstrahlung aufgenommen wird. Die differentielle Phasenkontrast-Mammographie nutzt die darüber hinaus weitere besondere Eigenschaften des Röntgenlichts für diagnostische Zwecke aus. Röntgenlicht besteht nämlich aus Wellen, deren Eigenschaften sich beim Durchdringen unterschiedlicher Gewebestrukturen geringfügig verändern. Das neue Mammographie-Gerät wertet  diese leichten Verschiebungen oder Streuungen der Wellen aus und erstellt daraus hochauflösende, farbverstärkte Bilder von den Gewebestrukturen der Brust. Die Aufnahmen mit dem neuen Gerät sind nach Einschätzung der Forschungsgruppe wesentlich aussagekräftiger als die gängigen Mammographieaufnahmen.

Hinzu kommt, dass das neue Verfahren auch unter Kostenaspekten sehr interessant ist. Es ist nämlich wesentlich kostengünstiger als die MRT-Mammographie, die derzeit als das zuverlässigste Verfahren zum Aufspüren kleinster Veränderungen in der Brust gilt. Die teuren Kernspin-Untersuchungen der Brust werden derzeit aber nur in Ausnahmefällen von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Die Forscher aus der Schweiz planen deshalb bereits die Entwicklung eines Geräte-Prototyps, der auch für Routineuntersuchungen zur Brustkrebsfrüherkennung in der Praxis eingesetzt werden kann.

Gleichzeitig wird jetzt in einer klinischen Studien mit einer größeren Anzahl an Patientinnen getestet, welche Vorteile die neue Methode gegenüber der konventionellen Mammographie bietet. An dieser Studie arbeiten auch Ärzte mit, die nicht an der Entwicklung des Verfahrens beteiligt waren. Die Forscher hoffen, dass die differentielle Phasenkontrast-Mammographie dann, wenn die Studie die bisherigen Ergebnisse bestätigt, zukünftig bei Brustuntersuchungen im ambulanten und stationären Bereich eingesetzt wird. (akk)