Längeres krankheitsfreies Überleben Doppeltherapie mit Pertuzumab plus Trastuzumab wirkt bei Her2/Neu!

13.08.11

Patientinnen mit Her2/Neu-positiven Brustkrebs leben länger, wenn sie eine kombinierte Therapie aus den Antikörpern Pertuzumab und Trastuzumab (Herceptin) zusammen mit einer Chemotherapie erhalten. Die Zeitspanne ohne Fortschreiten der Krebserkrankung (progressionsfreies Überleben) verlängerte sich unter der Gabe von Pertuzumab signifikant gegenüber dem Therapieregime ohne diesen Antikörper. Das ist das Ergebnis der CLEOPATRA Phase III-Zulassungs-Studie, die die die Roche Pharma AG jetzt veröffentlichte.

In die CLEOPATRA- Studie (CLinical Evaluation Of Pertuzumab And TRAstuzumab) wurden 808 Patientinnen aus 19 Ländern eingeschlossen. Alle Frauen litten unter HER2/Neu-positivem Brustkrebs, der bereits Metastasen ausgesiedelt hatte und waren zuvor noch nicht behandelt worden. Die Patientinnen wurden im Rahmen der Phase III-Studie in zwei Gruppen eingeteilt. Frauen im Behandlungsarm I erhielten zusätzlich zur Chemotherapie mit Docetaxel und Herceptin im Abstand von drei Wochen auch den Antikörper Pertuzumab. Bei der Kontrollgruppe bestand die Therapie in einer Kombination aus Chemotherapie mit Docetaxel und der Gabe von Herceptin – ebenfalls im Abstand von drei Wochen. Die Zuweisung der Frauen zu den Studienarmen erfolgte nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung). Die Studie wurde als doppelblinde, placebo-kontrollierte Untersuchung durchgeführt.

Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Pertuzumab durch Vergleich von zwei unterschiedlichen Therapiestrategien bei Patientinnen mit Her2/Neu-positivem, metastasiertem Brustkrebs zu prüfen. Pertuzumab ist ein monoklonaler Antikörper der zur Gruppe der HER2-Dimerisationshemmer (Dimerisation = Paarbildung) gehört. Die Forschung geht davon aus, dass diese Paarbildung entscheidende Bedeutung für die Entstehung und das Wachstum unterschiedlicher Krebsarten hat. Pertuzumab ist nach Angaben von Roche das erste Prüfmedikament, das die Paarbildung zwischen dem Her2/Neu-Rezeptor und den anderen HER-Rezeptoren (EGFR/HER1, HER3 und HER4) zu verhindern. Die Wissenschaftler nehmen an, dass Pertuzumab die Signalübertragung zwischen den Zellen blockiert und dadurch zum  Wachstumshemmer für die Krebszellen wird oder diese sogar abtötet.  Da die Wirkmechanismen von Trastuzumab und Pertuzumab unterschiedlich sind – beide Substanzen docken an verschiedenen Stellen des Her2/Neu-Rezeptors an – könnten sie sich ergänzen und in der Wirkung verstärken. Die CLEOPATRA Studie soll klären, ob die Kombinantion von Herceptin plus Chemotherapie plus Pertuzumab zu einer Verstärkung der Blockade der HER-Signale beiträgt.

Als primärer Endpunkt der CLEOPATRA-Studie wurde das krankheitsfreie Überleben der Patientinnen definiert. Gleichzeitig wurden die Auswirkungen der unterschiedlichen Therapieansätze auf das Gesamtüberleben, die Gesamtansprechrate, die Remissionsdauer (Zeit, in der sich der Tumor zurückbildete), die Lebensqualität der Patientinnen, die Sicherheit und den Zusammenhang zwischen Biomarkern und klinischem Ergebnis geprüft.

Dabei zeigte sich: Die Patientinnen, die zusätzlich zur Chemotherapie und zum Herceptin eine Pertuzumab-Therapie erhielten, lebten länger krankheitsfrei. Auch das Gesamtüberleben verlängerte sich.  Die Nebenwirkungen der Kombinationstherapie hielten sich in Grenzen. Sie entsprachen denen, die in früheren Untersuchungen für die Einzelgabe von Trastuzumab bzw. Pertuzumab festgestellt wurden.

Nach Auskunft des Studienleiters Hall Baran sind die Studienergebnisse mit der Kombinationstherapie bisher sehr ermutigend. HER2-positiver, metastasierter Brustkrebs bleibt zwar eine unheilbare Krankheit, die personalisierte Medizin biete aber vielversprechende Möglichkeiten, um Behandlungswege für Patienten zu entwickeln, die unter einer aggressiven Krankheit leiden. Die Roche AG will die Studienergebnisse demnächst auf den medizinischen Fachkongressen vorstellen und weltweit bei den Gesundheitsbehörden eine Zulassung für die Kombinationstherapie mit Pertuzumab beantragen. (akk)

Quelle: Presseinformation Roche AG