Chemo ja oder nein? PET-CT kann Therapieentscheidung unterstützen

18.08.11

Nach Auskunft der European Association vom Nuclear Medicine (EANM) bekommen bis zu 40 Prozent aller Krebspatienten eine Chemotherapie, die nicht zu ihrem Tumorttyp passt und somit an den individuellen therapeutischen Bedürfnissen vorbeizielt. Bei Brustkrebspatientinnen, bei denen die Chemotherapie eine äußerst wichtige Therapieoption darstellt, wirkt die Behandlung – so die EANM in ihrer Presseinformation – nur bei 50 Prozent aller Frauen.

Das könnte sich dann, wenn nuklearmedizinische Diagnosetechniken wie das FDG PET-CT öfter zum Einsatz kämen, schnell ändern. Beim PET-CET wird Fluoro-Deoxyglucose (FDG) – eine Art Traubenzucker (Glucoseanalog)  –  als Spurensucher und Marker eingesetzt. Im PET-CT zeigt sich dann, welche Zellen das FDG anreichern und wie es dort verstoffwechselt wird.

Verbrauchen Krebszellen nur wenig Zucker, ist es nach Auskunft von EANM-Vorstandsmitglied Prof. Arturo Chiti unwahrscheinlich, dass der Tumor auf eine Chemotherapie ansprechen wird. Die Konsequenz: Die Wahl einer anderen Behandlungsmethode, um dem Patienten die Nebenwirkungen einer nutzlosen Chemotherapie zu ersparen. Ziel in der Onkologie müsse es sein „wirkungslose Therapien frühzeitig auszusondern.“  Das  hilft, so Prof. Chiti, auch Patientinnen mit metastasierendem Brustkrebs: „Denn es gibt viele andere Behandlungsmöglichkeiten, die die Beschwerden mildern.“

Zeigt sich im PET-CT aber der gegenteilige Effekt – die Tumorzellen sind zuckergierig, verbrauchen zunächst viel Traubenzucker und die Menge sinkt unter Einfluss der Chemotherapie – spricht das dafür, dass dies die richtige Behandlungsmethode ist.  Das PET-CT gibt aber nicht nur Aufschluss darüber, ob eine Chemotherapie überhaupt erfolgversprechend ist. Es lässt sich auch feststellen, welche Art von Chemo für den Patienten am geeignetsten ist. Dadurch verbessern sich individuelle Therapieoption und medizinische die Erfolgskontrolle.

Die EANM ist, so Prof. Chiti, davon überzeugt, dass das FDG PET/CT entscheidend dazu beiträgt, das Krankheitsmanagement bei Krebs zu verbessern. „Diese Technik eignet sich für die Bestimmung von Tumoren ebenso wie für die Zuordnung der Patienten nach gemeinsamen biologischen Eigenschaften und die frühzeitige Bewertung von Tumor-Therapien“. Derzeit wird in Studien geprüft, ob sich  noch weitere Radio-Pharmazeutika  für die Erfolgskontrolle  vor, während und nach einer Therapie eignen. „Die Entwicklung sowohl solcher bildgebenden Substanzen als auch neuer Medikamente hat einen eingebauten Synergie-Effekt. Er wird beide Prozesse beschleunigen und zu einer stärker personalisierten Medizin führen, die sowohl dem einzelnen Patienten als auch dem Gesundheitssystem enorm nützen wird“, so Prof. Chiti. (akk)

Quelle:  Pressemitteilung EANM vom 9. August 2011


Von: Annette Kruse-Keirath