Resistenz Mechanismus entschlüsselt – Warum bestimmte Anti-Krebs-Medikamente nicht wirken

02.10.11

Warum wirkt ein Medikament bei einer Brustkrebspatientin ganz hervorragend, während es bei einer anderen wirkungslos bleibt? Auf diese Frage haben jetzt Wissenschaftler des Zentrums für molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zumindest für eine bestimmte Medikamentengruppe - die sogenannten PI3K/mTORInhibitoren eine Antwort gefunden. Phosphoinositid-3-Kinasen (PI3K) sind Enzyme, die eine Schlüsselfunktion bei Signalübertragung zwischen den Zellen, beim Zellwachstum und der Zellteilung haben. Eine Behandlung mit PI3K/mTOR-Hemmern – einer neuartigen Gruppe von Krebsmedikamenten - stellt eine Alternative zur herkömmlichen Chemotherapie dar. Sie zielt darauf ab, nur die Wachstumsfaktoren zu hemmen, die in Krebszellen überaktiv sind. Dadurch haben diese Medikamente geringere Nebenwirkungen als die klassische Chemotherapie.

Die Forschungsgruppe um Sebastian Nijmann und Markus Müllner fand heraus, dass dann, wenn ein ganz bestimmter Zellmechanismus in Gang gesetzt  wird, die PI3K-TOR Inhibitoren nicht wirken. Verantwortlich ist das c-Myc-Protein, das an die DNA andockt und die Gene anschaltet, die für das Krebswachstum verantwortlich sind. Immer dann, wenn das c-Myc-Protein aktiv ist, bleiben die Therapie wirkungslos, weil die Brustkrebszellen die Behandlung mit Medikamenten aus der PI3K/mTOR-Inhibitoren-Gruppe überleben.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit hatten die Wissenschaftler sogenannte „isogenetische“ Krebszellen (Zellen mit identischen Genen) in 70 unterschiedlichen Varianten mit jeweils anderen Veränderungen konstruiert. In diesen Zelllinien wurde insgesamt 87 verschiedene Wirkstoffe getestet. Dabei konnten die Forscher die entscheidenden Hinweise darauf finden, ob eine Therapie bei Brustkrebs wirkt oder nicht. Die Wiener Studiengruppe vermutet, dass der von ihnen entdeckte Resistenz-Mechanismus nicht nur beim Brustkrebs eine Schlüsselrolle spielt, sondern auch bei anderen Krebsarten wirksam sein könnte.

Die Wissenschaftler sind zudem überzeugt davon erst am Anfang einer Entwicklung zu stehen. „Durch die systematische Untersuchung tausender unterschiedlicher Gen/Medikament-Kombinationen konnten wir individuelle Genmutationen finden, die Krebszellen dazu befähigen, Resistenzen gegen bestimmte Therapeutika zu entwickeln“ erklärte Studienleiter Sebastian Nijman: „Ich bin hoch erfreut, dass der erste Einsatz unseres neuen Screening-Zugangs am CeMM so fruchtbar war und bin fest davon überzeugt, dass diese Erfolge erst die Spitze des Eisbergs sind!“
(akk)

Literatur: Markus K Muellner, Iris Z Uras, Bianca V Gapp, Claudia Kerzendorfer, Michal Smida, Hannelore Lechtermann, Nils Craig-Mueller, Jacques Colinge, Gerhard Duernberger and Sebastian MB Nijman: A chemical genetic screen reveals a resistance mechanism to PI3K inhibitors in cancer. Nature Chemical Biology, September 2011.
Quelle: Presseinformation des CeMM vom 25.9.2011