Bald Bluttest zur Brustkrebs-Früherkennung?

31.10.11

Brustkrebsfrüherkennung – das bedeutet heute: Der Tumor wird durch Mammographie, Ultraschall oder durch Ertasten entdeckt. Eine Alternative oder Ergänzung zu den bildgebenden Verfahren könnte künftig vielleicht ein Bluttest sein, der Veränderungen anzeigt, die auf das Entstehen von Brustkrebs hindeuten. Davon ist der Direktor des Instituts für Molekulare Biologie (IBMA) in Wien, Prof. Dr. Josef Penninger überzeugt. Noch ist das eine wissenschaftliche Zukunftshypothese – allerdings eine mit enormen Entwicklungspotential, so der Chef der österreichischen Forschungsgruppe.

Die Wissenschaftler des Wiener Instituts haben zusammen mit dem Gynäkologen Martin Widschwendtner vom University College London in einer retrospektiven (zurückschauenden) Studie Blutproben von Brustkrebspatientinnen aus der Zeit vor der Diagnose untersucht. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die einen erhöhten Progestin und RANKL-Spiegel  im Blut aufwiesen, signifikant häufiger an Brustkrebs erkrankten als die anderen. Progestin – auch Progesteron-  ist das sogenannte Gelbkörperhormon und gehört zu den weiblichen Geschlechtshormonen. RANKL  ist ein Eiweißprotein, das eine maßgebliche Rolle bei der Regulation des Knochenabbaus spielt.  „Hohe Progestin- und RANKL-Spiegel könnten das Auftreten von Brustkrebs mehr als zwölf Monate vor der  Diagnose vorhersagen“, so Prof. Penninger. Wenn sich diese Annahme in weiteren Studien eindeutig belegen ließe, bedeutete das: Es ließen sich neue Diagnoseverfahren z.B. ein Bluttest und Therapiemöglichkeiten aus dieser Erkenntnis ableiten.

Dass zwischen Progesteron und dem RANK-Protein eine enge Verbindung besteht, konnten die IMBA-Wissenschaftler bereits 2010 nachweisen.  Das Gelbkörperhormon – auch aus synthetisch hergestellten aus Hormonsubstitutionspräparaten – bewirkt eine starke Bildung von RANKL, das auch die Bildung von knochenabbauenden Epithelzellen der Brustdrüsen fördert. Damit zeigte sich, dass das RANKL-Protein Häufigkeit und Auftreten von Brustkrebs mit Progesteron-Antennen (hormonrezeptor-positiv) kontrolliert. Blockierte man nämlich im Tierversuch bei Mäusen, bei denen ein Mamma-Karzinom entstehen sollten, diesen Signalweg, sank die Brustkrebsrate um 90 Prozent.

Die retrospektiven Studienergebnisse müssen jetzt, so Prof. Penninger, noch durch weitere Untersuchungen belegt und untermauert werden. Substanzen, mit denen sich der RANKL-Signalweg beeinflussen lässt, gibt es bereits. Ein Antikörper gegen RANKL wird seit einiger Zeit z.B. in der Osteoporosetherapie eingesetzt. Geplant ist auch die Gabe bei Patienten mit Knochenmetastasen. (akk)


Von: Annette Kruse-Keirath