San Antonio 2011: PIK3CA, mTOR und weitere Geheimrezepte von Brustkrebs

14.12.11

Auf der 34. Brustkrebs-Konferenz, die soeben in San Antonio, Texas, zu Ende ging, kristallisierten sich einige Fortschritte im Kampf gegen Brustkrebs heraus, die wir Ihnen hier – noch ganz frisch und in aller Kürze – mitteilen möchten.

Fortschritte in der Behandlung

Die großen Fortschritte in der Therapie und Diagnostik von Brustkrebs bezogen sich in San Antonio – entsprechend dem allgemeinen Trend zur Individualisierung von Brustkrebs als eigenständige Bilder einer ganz persönlichen Erkrankung – auf die Behandlungen als „Gesamtpaket“, das in der Lage ist, ganz bestimmte Untergruppen zu erreichen. Wie soll das bewerkstelligt werden?

  • Durch das doppelte Blockieren der inzwischen sattsam bekannten HER2-Empfangsantennen (HER2-Rezeptoren) mit Hilfe von zwei Antikörpern (Trastuzumab & Pertuzumab). Dadurch ergibt sich eine verlängerte krankheitsfreie Überlebenszeit (PFD Progressiv Free Disease) bei lokal fortgeschrittenem und metastasiertem, HER2 positivem Brustkrebs (siehe CLEOPATRA-Studie in der Phase III; Baselga et al NEJM 2011; Abstract #S5-5). Dabei handelte es sich vor allem um Patientinnen, die nicht mit Trastuzumab vorbehandelt wurden und zudem nur in 50 Prozent der Fälle eine Chemotherapie erhalten hatten.
  • Die doppelte Blockade der Empfangsantennen für Östrogen (Östrogenrezeptor) durch den Aromatasehemmer Anastrozol (Letrozole) und durch den Östrogenantennen-Killer Fulvestrant ist wirksamer als die alleinige Gabe von Anastrozol (SWOG S0226 Phase III Studie; Mehta et al. Abstract#S1-1). Dabei stellt sich heraus, dass dieser „Stereo-Hormon-Block“ insbesondere bei Patientinnen ohne vorangegangene Tamoxifen-Therapie besonders effektiv ist.
  • Die Unterdrückung des Östrogenrezeptors im Brustkrebsgewebe mit dem Aromatasehemmer Exemestan und die gleichzeitige Blockade des Anheizers für Brustkrebszellen mit dem Namen mTOR ist einer alleinigen Gabe von Exemestan bei fortgeschrittenen, Patientinnen nach den Wechseljahren vorzuziehen (BOLERO-II Phase III Studie; Hortobagyi et al. Abstract#S3-7).
  • Die einmalige Gabe des Geschlechtshormons Progestin als retardierte Dauerformulierung verlängert bei sogenannten „Luminalen Tumoren“, also bei Brustkrebs-Typen, die hormonabhängig und langsam wachsend sind, sei es das krankheitsfreie, sei es das und Gesamtüberleben von Frauen mit Brustkrebs (Badwe et al. JCO2011).
  • Die gleichzeitige Gabe von Chemotherapie und einer anti-hormonellen Behandlung ist einer hintereinander abfolgenden Therapie (sequentielle Gabe) überlegen (EBCCTG Metaanalyse 2011)

 

Fortschritte in der Diagnostik

  • Der Wechsel in der chemotherapeutischen Behandlung auf die Zellgiftkombination Capecitabine (Xeloda) + Vinorelbin (Navelbine) nach anfänglichem Nicht-Ansprechen einer Patientin auf die Standard-Chemotherapie mit einer eibenhaltigen und anthrazyklinhaltigen Chemotherapie (TAC) - verlängert bei Patientinnen mit dem molekularen Brustkrebs-Bild „Luminaler Tumor“ das Gesamtüberleben deutlich. Gleichzeitig ist in dieser Untergruppe die Tatsache, ob der Brustkrebs bei einer präoperativen Behandlung komplett verschwindet oder weniger, nicht aussagekräftig. Umgekehrt zeigte sich der Therapiewechsel bei HER2- positiven-Brustkrebsen und Triple-Negativen-Tumoren in diesem Behandlungsschema ohne jeglichen Überlebensvorteil. In diesen Untergruppen blieb das Ansprechen oder nicht Ansprechen von prognostischer Bedeutung. (GeparTrio Studie, von Minckwitz et al. Abstract#S3-2).
  • Gerade bei Frauen mit kleinen Brustkrebsen (T1N0 Tumoren) erweisen sich die nach „molekularen Visitenkarten“ eingeteilten, kleinen Tumore von großer Bedeutung. Einmal zur Risikoabschätzung (Ravdin et al) und dann zur Abschätzung der Notwendigkeit einer Strahlentherapie bei (Fyles et al. Abstract S2-2). In dieser Untergruppe haben Brustkrebse mit dem „molekularen Prädikat“ Luminal A Tumore die besten Aussichten und haben zudem keinen deutlichen Vorteil durch eine zusätzliche Bestrahlung.
  • Die Dolmetscher-Gen-Botschaft (mRNA-Expression) des sehr häufig in Brustkrebsgewebe vorhandenen Androgenrezeptors (eine Empfänger-Antenne für das Geschlechtshormon Androgen) konnte als neues Behandlungs-Ziel besonders bei Dreifach Negativen Brustkrebses (Triple Negative Tumore) und als Risikofaktor für eine spätere Metastasierung bei sogenannten Luminalen Tumoren in Klinischen Studien bestätigt werden. Gleichzeitig ist die Höhe der ausgeschiedenen Eiweiss-Stoffe einer mRNA- Expression von Östrogen bei gleichzeitig vorhandener Neigung zu einer hohen Zellteilungsaktivität (Proliferation) für das Auftreten später Metastasierungen von großer Bedeutung (Saghatchian et al. Abstract#S1-6; Liu et al. Abstract#S1-8).
  • PIK3CA – ist das Zauberwort im Munde aller Brustkrebsforscher. Die Bestimmung dieser inzwischen festgestellten häufigsten Genveränderung (Mutation) in Brusttumoren gewinnt zunehmend an Bedeutung in Hinblick auf die Bildung einer Resistenz gegen alle möglichen Therapien und in Bezug auf die Entwicklung gezielter Behandlungen gegen PI3K (Xu et al. Abstract#S3-3, Miller et al. Abstract#S3-4, O’Shaughnessy et al. Abstract#S3-5)

Von: Ursula Goldmann-Posch und Dr. Ralph Wirtz