C-MYC und SIRT1 - Teufelskreis bei der Zellteilung

30.12.11

Ein wesentliches Merkmal von Brustkrebs-, aber auch anderen Krebszellen ist deren unbegrenzte Teilungsfähigkeit. Wenn alles gut läuft bei der Zellteilung verhindern Zellen ein solches ungebremstes Wachstum. Das machen sie durch eine strenge, eingebaute „Qualitätskontrolle“, die wuchernde Zellen vorzeitig altern oder absterben lassen. Doch das funktioniert leider nicht immer.

Jetzt haben Forscher aus der Arbeitsgruppe von Professor Heiko Hermeking und Antje Menssen vom Pathologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität, München, herausgefunden, wie der dabei ausschlaggebende Eiweiss-Stoff c-MYC diese Kontrolle sabotiert und so zur Krebsentstehung beiträgt: Hohe Konzentrationen des Proteins c-MYC, die in den meisten Krebsarten vorliegen, rufen nämlich ein Enzym auf den Plan, das SIRT1 heißt und das Zellalterung und Zelltod verhindert.

Noch viel gravierender ist aber, dass durch dieses böse Zusammenspiel von c-MYC und SIRT1 eine sogenannte „positive Feedbackschleife“ ins Rollen kommt, durch die c-MYC und SIRT1 immer weiter aktiviert werden. Eine normal tickende Zelle würde diesen Teufelskreis unterbrechen, indem sie das c-MYC-Gen lahmlegt – in Krebszellen klappt diese Notbremse nicht mehr, und es kommt zu einer unbegrenzten Teilungsfähigkeit, die bösartige Zelle wird unsterblich (die sogenannte Immortalisierung).

Ausgeklügelter Teufelskreis von Tumorzellen
Diese Entdeckung in der Visitenkarte von Krebszellen könnte zur Entwicklung von c-MYC-Hemmern führen, hofft  Dr. Antje Menssen. C-MYC spielt eine wesentliche Rolle besonders bei Brustkrebs, Dickdarmkrebs und Lymphomen.
Ob das tägliche Glas Rotwein wirklich einem Alterungsprozess der Zelle entgegenwirkt, wird dagegen durch die Erkenntnisse der Forscher, zu denen auch Molekularbiologen der Universität Aachen und des Karolinska-Instituts in Stockholm gehörten, infrage gestellt: Bisher wurde die pharmakologische Aktivierung von SIRT1 durch das im Rotwein enthaltene Resveratrol als möglicherweise gesundheitsfördernd angesehen. Teilweise wird die Anwendung von SIRT1-Aktivatoren wie Resveratrol sogar kommerziell verfolgt. Vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse – sagt Professor Hermeking - sollten derartige natürliche Aktivatoren nur nach weiteren Studien verwendet werden.

Quelle: Pressemeldung Ludwig-Maximilians-Universität München
Originalpublikation: Menssen A. et al., PNAS Early Edition PNAS 19.-23.12; The c-MYC oncoprotein, the NAMPT enzyme, the SIRT1-inhibitor DBC1, and the SIRT1 deacetylase form a positive feedback loop; doi: 10.1073/pnas.1105304109