Teuflisches Team: HER2 und Plexin-B1

13.03.12

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun entdeckt, dass sie die Bildung von Metastasen verhindern können, wenn sie eine Eiweiß-Antenne auf der Zelloberfläche blockieren, die Plexin-B1 heißt. Sie hoffen, damit einen neuen Ansatz gefunden zu haben, um die Metastasierung von aggressiven Brustkrebsformen zu unterbinden und damit die Prognose der Patientinnen zu verbessern.

Dies wurde zunächst an Mäusen gesehen: ohne Plexin-B1 bleiben deren Lungen  weitgehend frei von Metastasen. Ist Plexin-B1 dagegen vorhanden, bilden sich bei Mäusen, die einen HER2-positiven Brustkrebs tragen, eine große Zahl an Metastasen. 

Was ausgerechnet HER2-positive Brusttumoren so aggressiv macht, haben nun Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Stefan Offermanns, Direktor am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, herausgefunden: Die Wachstumsfaktor-Antenne HER2 bildet mit der Eiweiß-Antenne Plexin-B1 ein teuflisches Team, das die Bewegung und Wanderung von Zellen steuert. Schaltet man Plexin-B1 in Brustkrebszellen ab, verlieren die Zellen die Fähigkeit zu wandern. 

Dass diese Beobachtung auch auf den Menschen übertragbar sein könnte, dafür spricht Einiges. Bei der Untersuchung von Gewebematerial von Brustkrebspatientinnen stellten die Max-Planck-Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem Gehalt von Plexin-B1 im Tumorgewebe und der Prognose der Patientinnen fest. So hatten Patientinnen mit nur geringem Plexin-B1-Gehalt im Tumorgewebe eine deutlich bessere Überlebenschance.

Die Wissenschaftler schöpfen aus diesen Ergebnissen die Hoffnung, einen Ansatz zur Entwicklung einer neuen Therapie gefunden zu haben. Sie glauben, mit Plexin-B1 eine entscheidende Stelle gefunden zu haben, über die die Bildung von Metastasen zu blockieren ist.

Quelle: Journal Onkologie
Originalveröffentlichung: Thomas Worzfeld, Jakub M. Swiercz, Mario Looso, Beate K. Straub, Kishor K. Sivaraj, Stefan Offermanns: ErbB-2 signals through Plexin-B1 to promote breast cancer metastasis. J Clin Invest 2012; doi:10.1172/JCI60568



Von: Ursula Goldmann-Posch