Erbgut-Schnipsel gegen Brustkrebs – Kleine Säuren, große Wirkung

20.03.12

Mit einem neuentwickelten Verfahren ist das Team um Privatdozent Dr. Stefan Wiemann und Dr. Özgür Sahin am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg der Rolle sogenannter „regulatorischer microRNAs“ (kurz miRNAs) für einen bei Brustkrebs häufig außer Kontrolle geratenen Signalweg auf die Spur gekommen.

Ribonukleinsäuren übertragen Informationen aus dem Erbgut vom Zellkern an jene Orte, wo die Eiweißstoffe (Proteine) einer Zelle hergestellt werden. Die gebildeten Proteine steuern anschließend das Wachstum und den Zyklus der Zelle.

Damit Zellen sich nicht unkontrolliert vermehren können, wie es bei Krebs der Fall ist, gibt es komplizierte Regelkreise, die normalerweise das Zellwachstum steuern. Funktionieren diese Regelkreise nach Plan, besteht ein normales Zell-Leben aus Geburt, Arbeitszeit und Tod (Apoptose). Die steuernden Regelkreise arbeiten wiederum mit Hilfe bestimmter Signalwege, um ihre Kontrollfunktion über das Wachstum der Zelle erfüllen zu können.
Bei Brustkrebs gibt es verschiedene Signalwege, die entgleisen können. Dazu gehört der Eiweiß-Stoff EGF und seine Wachstumsantenne EGF-R. Diese Empfangsantennen sitzen an der Oberfläche der Zelle und reagieren auf sich anlagernde Stoffe, die das Wachstum der Zelle anregen. Über bestimmte Signalwege gelangen diese Impulse zum Zellwachstum in das Innere, die Kommandozentrale der Zelle, und geben den Befehl zur Zellteilung.
Eine Daueraktivierung der EGF-Rezeptoren führt so zu einer unkontrollierten Zellteilung. Allerdings scheint die damit verbundene Kettenreaktion jetzt beeinflussbar zu sein. Denn die von den Heidelberger Wissenschaftlern entdeckten drei miRNAs sind in der Lage, entsprechende Signalwege zu hemmen, so dass die kritischen Befehle gar nicht erst in Eiweiß-Stoffe übersetzt werden.

Das Forscherteam beschränkte sich jedoch nicht nur auf einzelne Moleküle, sondern untersuchte die Gesamtheit der bisher bekannten miRNAs. Und kam zu der Erkenntnis, dass einzelne dieser kleinen Ribonukleinsäuren mehrere Proteine beeinflussen können und umgekehrt. In diesem Zusammenspiel entfalten miRNAs starke Effekte als „Krebsunterdrücker“, was sie in Zukunft interessant für neuartige Krebstherapien machen könnte.


Quelle:
Global microRNA level regulation of EGFR-driven cell cycle protein network in breast cancer. Uhlmann et al. Molecular Systems Biology, February 14th 2012.


Von: Gertrud Rust