Führt Jodmangel zu einem höheren Brustkrebsrisiko?

14.04.12

Dass es einen Zusammenhang geben könnte, wird von Wissenschaftlern schon seit längerem angenommen. Die Vermutung wird auch durch epidemiologische Daten gestützt.

So erkranken in vielen Ländern Südostasiens weit weniger Frauen an Brustkrebs bzw. haben weniger gutartige Veränderungen im Brustdrüsengewebe (Mastopathie) als Frauen in westlichen Ländern. Die Forscher gehen davon aus, dass dies nicht nur mit dem Verzehr von Soja , sondern auch mit dem hohen Konsum von Jod z.B. im Seetang und Meeresalgen zu tun haben könnte. Reichlich Jod in der Nahrung ist also möglicherweise nicht nur ein vielversprechender Ansatz zur Prävention von Brustkrebs, sondern auch zur adjuvanten Therapie bei bereits bestehendem Mammakarzinom. Dies legen auch tierexperimentelle Ergebnisse der letzten Jahre nahe und die Ergebnisse einer ersten klinischen Pilotstudie. Darüber hat der Münchner Endokrinologe Prof. Roland Gärtner bereits vor drei Jahren in der Deutschen Zeitschrift für Onkologie (2009;41:53-56) berichtet. Danach war die Zellteilungsrate in Tumoren bei Patientinnen, bei denen mittels Biopsie ein Mammakarzinom nachgewiesen worden war und die  neoadjuvant (vor der Operation) über vier Wochen vier Milligramm Jod pro Tag  erhielten, um 50 Prozent reduziert. Außerdem hatten die Wissenschaftler festgestellt, dass nach Jodgabe deutlich mehr Krebszellen in den   Selbstmord (Apoptose) getrieben wurden als in den Biopsien davor.

Tierexperimentelle Untersuchungen untermauerten die Bedeutung des Jods bzw. des Jodmangels nicht nur für die  Wachstumsregulation und Entstehung von Krebs in der  Schilddrüse, sondern auch für Gewebeveränderungen in der Brustdrüse (Mastopathie). So haben Versuche an weiblichen Ratten schon in den 90iger Jahren gezeigt, dass es unter Jodmangel verstärkt zur Mastopathie gekommen ist, während dies bei ausreichender Jodgabe nicht der Fall war. Jodmangel führt bei Ratten also nicht nur zu Kröpfen, sondern auch zu Zellveränderungen – und Neubildungen im Brustdrüsengewebe, fasst Gärtner die tierexperimentellen Befunde zusammen.


Was haben Kropf und Brustkrebs gemeinsam?

„Offensichtlich gibt es da einen gemeinsamen Pathomechanismus für Schilddrüsenerkrankungen und  Brustkrebs“ folgert der Münchner Spezialist für Hormonstörungen. Er berichtete von tierexperimentellen Untersuchungen, in denen gezeigt worden sei, dass mittels dauerhafter  Zufuhr von Jod ( z.B. Seetang) über die Nahrung Brustkrebs, der chemisch hervorgerufen worden ist,  bei weiblichen Ratten um 70 Prozent reduziert werden konnte gegenüber denjenigen Tieren, die kein zusätzliches Jod erhalten hatten.  Bekamen die Ratten mit bereits bestehendem Brustkrebs hohe Joddosen, so wurden die Tumore kleiner. Auch im Zellexperiment bestätigt sich dieser Zusammenhang. Wird  menschlichen Brustkrebszellkulturen Jod zugeführt, so kommt es Gärtner zufolge zu einer  Zellteilungshemmung und zur verstärkten Apoptose (Zelltod) der Brustkrebszellen.

Wichtig für die Wirkung: Natürliches Jod, keine Jodtabletten

Der Hormonspezialist für die Wachstumshemmung darauf zurück dass vermehrt Jodstoffwechselprodukte wie Jodlipide- insbesondere das Beta-Jodlacton aus Arachidonsäure, gebildet werden.  Interessanterweise, so Gärtner, komme es nur bei Gabe des elementaren, also des natürlichen  Jods, nicht aber des Jodids in Tablettenform zu diesem gewünschten Effekt bei Brustkrebszellen. Natürliches Jod findet man z.B. in Meeresallgen (Spirulina).


Beweis der Jodhypothese an größeren Patientenzahlen steht noch aus

Angesichts der vielversprechenden Ergebnisse aus experimentellen Studien, wonach eine hohe Jodzufuhr in der Nahrung möglicherweise Brustkrebs verhindert bzw. zur adjuvanten Therapie bei Brustkrebs geeignet sei, plädiert der Münchner Mediziner dafür, diesen Ansatz nun in größeren prospektiven , also in die Zukunft gerichteten klinischen Studien mit größeren Patientinnenzahlen zu überprüfen. Bislang ist dies noch nicht geschehen, obwohl in weiteren tierexperimentellen Untersuchungen gezeigt werden konnte, dass Jodmangel offensichtlich auch beim aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Rolle zu spielen scheint. (ibw)


Von: Annette Kruse-Keirath