Neuer Prognosefaktor bei Brustkrebs - Länger überleben mit Eiweiß Kappa C

16.04.12

Reagiert der Tumor auf eine Chemotherapie oder spricht er nicht darauf an? Das ist nicht nur eine medizinisch-therapeutische Fragestellung. Die Antwort hat auch für die Patientin große Bedeutung.

Denn mancher Frau könnte dann eine „wirkungslose Chemotherapie“ mit vielen Langzeit-Nebenwirkungen erspart bleiben.

Wissenschaftler der Universitätsfrauenklinik Mainz haben zusammen mit dem Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund Gewebematerial von 1.810 Brustkrebspatientinnen, 1.056 Patienten mit Lungenkarzinom, 513 Darmkrebspatienten und 426 Frauen mit Eierstockkrebs untersucht und dabei eine interessante Entdeckung gemacht:  Das Immunglobulin Kappa C (IGKC), ein Eiweißbaustein des Immunsystems, ist ein wichtiger Prognosefaktor im Hinblick auf die Wirksamkeit einer Chemotherapie. IGKC wird von körpereigenen Plasmazellen gebildet, die in die Tumore einwandern. Enthält das Tumorgewebe einen hohen Anteil von IGKC, bedeutet das: Der Tumor spricht besser auf eine Chemotherapie an. Gleichzeitig sinkt auch das Risiko für eine Fernmetastasierung.

Die Mainzer Forschergruppe ging der Frage des Ansprechens auf eine Chemotherapie bei Brustkrebs anhand von Gewebeproben von Patientinnen nach, die vor der Operation mit einer Chemotherapie behandelt worden waren. Die insgesamt 330 analysierten Gewebeproben zeigten eindeutig: Tumore mit einem hohen Anteil von IGKC verkleinerten sich stärker als solche, die wenig IGKC enthielten. Der gleiche günstige Effekt ist auch für Patienten nachweisbar, die unter Darm- oder Lungenkrebs leiden.

Die Forschergruppe unter der Leitung von Privatdozent Dr. Marcus Schmidt, Mainz, und Professor Jan G. Hengstler, Dortmund, die ihre Studienergebnisse unlängst in der Fachzeitschrift Clinical Cancer Research veröffentlichten,  geht davon aus, dass sich der jetzt beschriebene neue Marker demnächst auch in der Routinediagnostik zur Typisierung bösartiger Tumore einsetzen lässt. Gleichzeitig ist der schützende Effekt dieser natürlich stattfindenden Immunreaktion nach Auffassung der Wissenschaftler ein Beleg dafür, dass eine Immuntherapie – ob passiv als Antikörperbehandlung oder aktiv als Impfung gegen Krebs - zukünftig eine sinnvolle und vielversprechende Behandlungsalternative werden könnte. (akk)

Quelle: Schmidt, M. et al.: „A comprehensive analysis of human gene expression profiles identifies stromal immunoglobulin kappa C as a compatible prognostic marker in human solid tumors“, Clinical Cancer Research, 20. Februar 2012.


Von: Annette Kruse-Keirath