Erst spalten, dann entfernen - Durchbruch bei operativer Entfernung großer Lebertumore

17.04.12

Bilden sich in der Leber viele verstreute oder große Tumore, waren die Tumorchirurgen bis dato meist machtlos. „Riesentumore“ in der Leber galten als „inoperabel“ – ebenso wie Vielfach-Wucherungen, die über die gesamte Leber verstreut waren.

Chirurgen der Uni Regensburg haben nun ein OP-Verfahren entwickelt, mit  dem sich sehr große Lebertumore und Mehrfachtumore, die über die ganze Leber verteilt sind, operativ entfernen lassen.  Das besondere der Methode, die unlängst in der wichtigsten chirurgischen Zeitschrift „Annuals of Surgery“ vorgestellt wurde, ist das zweistufige Vorgehen der Regensburger Chirurgen.

Im ersten Teil der Operation trennen die Operateure dabei den Teil der Leber, der vom Krebs befallen ist, vom gesunden ab. „Die Leber wird praktisch durchgeschnitten“, erläutert der Leiter der Forschungsgruppe, Prof Dr. Hans Schlitt das Vorgehen.  Dabei wird die Blutversorgung des befallen Leberlappens zum Teil unterbrochen. Das abgetrennte Teilstück verbleibt aber zunächst im Körper. Danach warten die Ärzte sieben bis zehn Tage bis zur zweiten Operation.  Während der Wartezeit wächst der gesunde, meist kleinere Teil der Leber nach und vergrößert sich um das Doppelte. Die so gewachsene „gesunde Leber“ übernimmt alle lebenswichtigen Funktionen, so dass jetzt das vom Krebs befallene Tumorstück entfernt werden kann.

Funktionieren kann diese Methode, die inzwischen auch international Anwendung findet,  nach Auskunft der Regensburger Forschungsgruppe vor allem deshalb, weil man sich hier eine besondere Eigenschaft der Leber zunutze macht: ihre enorme Regenerationsfähigkeit. Lebergewebe kann nämlich – anders als das vieler anderer Organe nachwachsen.  Die Chirurgen erhoffen sich so einen Durchbruch in der onkologischen Leberchirurgie.

Gerade bei Lebertumoren – ganz gleich ob es sich um Primärtumore oder Metastasen handelt – besteht eine Heilungschance oft allein in einer Operation.  Hat sich nur ein einzelner  und ein kleiner Tumor gebildet, lässt sich dieser meist ohne Probleme mit dem Skalpell entfernen.  Schwierigkeiten gibt es aber immer dann, wenn ein Tumor sehr groß ist oder bereits mehrere Knoten – verstreut über die gesamte Leber – gewachsen sind. In solchen Fällen besteht immer die Gefahr eines letztendlich tödlich endenden Leberver-sagens, weil nach Entfernung des Tumorgewebes nicht mehr genügend „leistungsfähiges“ Lebergewebe zur Verfügung steht.  Dieses Problem lässt sich nun durch das zweistufige Vorgehen umgehen. „Mit diesem Verfahren können wir einige bisher nicht operable Tumore in der Leber komplett entfernen. Damit bekommen mehr Patienten als bisher eine Chance auf Heilung“, hofft  Prof. Dr. Hans J. Schlitt von der Universitätklinik Regensburg, der das Verfahren zusammen mit seiner Arbeitsgruppe von der Klinik und Poliklinik für Chirurgie entwickelt hat. (akk)

Literatur:  Andreas A. Schnitzbauer, Seven A. Lang:  Right Portal Vein Ligation Combined With In Situ Splitting Induces Rapid Left Lateral Liver Lobe Hypertrophy Enabling 2-Staged Extended Right Hepatic Resection in Small-for-Size Settings.Ann Surg 2012;255:405–414


Von: Annette Kruse-Keirath