Prognose bei Brustkrebs: Die Therapie ist erfolgreicher, immer mehr Frauen leben länger

18.04.12

Die Medizin konnte in den letzten zehn Jahren bei der Diagnose und Behandlung von Brustkrebs immer größere Erfolge verzeichnen: Brustkrebspatientinnen leben heute länger und die Therapie wirkt immer besser! Nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachdisziplinen wie Gynäkologie, Onkologie und Pathologie, die in fachübergreifenden Tumorboard die beste Therapiestrategie für die Patientin gemeinsam festlegen.

80 Prozent der Frauen, bei denen erstmals Brustkrebs diagnostiziert wurde, waren nach Abschluss der Erstbehandlung innerhalb der nächsten fünf Jahre gesund. Der Krebs kehrte nicht zurück. Bei 15 Prozent wuchs während dieser Zeit erneut ein Tumor in der Brust (Lokalrezidiv). Tochtergeschwulste in anderen Organen (Metastasen) bildeten sich bei 19 Prozent der Patientinnen – manchmal gleichzeitig mit einem Lokalrezidiv. Nur 10 Prozent der Frauen, die an Brustkrebs erkrankten, starben während der ersten fünf Jahre an Brustkrebs.

Das sind die Ergebnisse einer Studie mit Daten von 3.338 Patientinnen, die das Brustzentrum am  Uniklinikum Heidelberg jetzt in der Fachzeitschrift „The Breast“ veröffentlichte.  Die Mediziner in der Neckarstadt hatten in der Zeit von 2003 bis 2010 den Krankheitsverlauf dieser Brustkrebspatientinnen systematisch begleitet und konnten jetzt aussagefähige Ergebnisse im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung des Therapieerfolgs geben. 

Prof. Andreas Schneeweis vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen und verantwortlich für die Dokumentation der Brustkrebsfälle am Heidelberger Brustzentrum ist sich sicher, dass die jetzt vorliegende Analyse der Daten und Krankheitsverläufe aus Heidelberg Vorbild für die Organisation und die Therapiestrategien in anderen Brustzentren sein wird. „Unsere Ergebnisse sind eine Basis, um die Vorsorge und Versorgung von Brustkrebspatientinnen weiter zu verbessern. Hier sind wir mit den im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg geschaffenen Strukturen richtungsweisend für andere Zentren in Deutschland“, fasst Schneeweis zusammen.

Auch der Ärztliche Direktor der Universitäts-Frauenklinik und Leiter des Brustzentrums, Prof. Christof Sohn, schließt sich dieser Einschätzung an:  „Die Prognose von Brustkrebs hat sich aufgrund neuer Therapieoptionen und der konsequenten interdisziplinären Behandlung weiter verbessert".


Dies belegen nicht nur die Resultate der Uniklinik Heidelberg.  Auch das Robert-Koch-Institut konnte bereits 2010 bei einer Auswertung deutscher Krebsregister für die Zeit von 2000 bis 2004 nachweisen, dass  79,6 Prozent für Brustkrebspatientinnen die ersten fünf Jahre nach der Therapie überleben. Das Deutsche Krebsforschungszentrum, das gerade die Daten von elf Krebsregistern für die Jahre 2002 bis 2006 untersucht hat, ermittelte sogar eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 84 Prozent für den Fünfjahreszeitraum.  Noch hoffnungsvoller klingen die Nachrichten aus den USA.  Das National Cancer Institute gab für die Jahre 1999 bis 2006 eine Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent dafür an, dass Frauen die ersten fünf Jahre mit Brustkrebs überleben. (akk)

Literatur:

J. Heil, A. Gondos, G. Rauch, F. Marmé, J. Rom, M. Golatta, H. Junkermann, P. Sinn, S. Aulmann, J. Debus, H. Hof, F. Schütz, H. Brenner, C. Sohn, A. Schneeweiss. Outcome analysis patients with primary breast cancer initially treated at a certified academic breast unit. The Breast (2012), doi:10.1016/j.breast.2012.01.009

Auswertung deutscher Krebsregister durch das Robert Koch Institut:
J. Haberland, J. Bertz, U. Wolf, T. Ziese, B.M. Kurth: German cancer statistics 2004. BMC Cancer, 10 (2010), p. 52

Analyse elf deutscher Krebsregister durch das Deutsche Krebsforschungszentrum:
E. Hiripi, A. Gondos, K. Emrich, B. Holleczek, A. Katalinic, S. Luttmann et al.: Survival from common and rare cancers in Germany in the early 21st century. Ann Oncol, 23 (2012), pp. 472–479

Auswertung des US-amerikanischen National Cancer Instituts:
S. Altekruse, C. Kosary, M. Krapcho: SEER cancer statistics review, 1975–2007. National Cancer Institute (2010) http://seer.cancer.gov/csr/1975_2007


Von: Annette Kruse-Keirath