Mistel & Johanniskraut bei Krebs: Projekt „KOKON“ klärt über alternative Heilmethoden auf

08.08.12

Welche ergänzenden oder komplementären Heilverfahren gibt es? Wie kann ich selbst meine Behandlung sinnvoll unterstützen? Wo finde ich verlässliche Informationen dazu? Diese Fragen stellen sich an Krebs erkrankte Menschen immer häufiger: Mehr als die Hälfte aller Betroffenen greifen im Verlauf ihrer Behandlung auf ergänzende Verfahren zurück. Das jetzt gestartete „KOKON“-Projekt, ein Zusammenschluss mehrerer Kliniken und Forschungsinstitutionen, hat das Ziel, verlässliche und wissenschaftlich ausgewertete Informationen für Patienten und alle in der Onkologie beschäftigten Berufsgruppen bereitzustellen.

In der häufig lebensbedrohlichen Situation einer Krebserkrankung wollen viele Betroffene nichts unversucht lassen. Neben der schulmedizinischen Behandlung suchen viele Krebspatienten nach alternativen und komplementären Therapieformen. „Dabei stoßen sie auf ein schier endloses Angebot an Methoden und Heilmitteln, Philosophien und Ratschlägen“, erklärt Dr. Markus Horneber vom Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Klinikum Nürnberg. Neben einer Vielzahl an pflanzlichen Präparaten werden auch Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Entspannungstechniken und körperliches Training sowie Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin angeboten.

„Es ist schwer, sich in dieser Informationsvielfalt zurechtzufinden. Nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte und Pflegekräfte“, so Horneber weiter. Der Mediziner ist Sprecher des wissenschaftlichen Verbundprojektes „Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe, kurz „KOKON“. Auch qualitativ decken Komplementärverfahren eine große Bandbreite ab: „Von seriösen Methoden bis hin zu gefährlichem Pfusch ist alles möglich“, so Horneber weiter. Auch das am harmlosesten erscheinende Präparat könne beispielsweise die Wirkung einer Chemotherapie stören.

Ziel des von der Deutschen Krebshilfe mit 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren geförderten Projektes  ist es, das Wissen über alternative Methoden in der Krebstherapie zu sammeln und wissenschaftlich zu bewerten. Dazu werden zunächst Krebspatienten und im Gesundheitswesen Tätige zu ihren Informationsbedürfnissen befragt. Diese Erkenntnisse sollen zukünftig in Form einer allgemein zugänglichen Informationsplattform verfügbar sein. Zudem wollen die Experten ein Netzwerk von Beratungsstellen einrichten, an die sich Interessierte wenden können. Fort- und Weiterbildungsangebote für Ärzte und Pflegekräfte runden das Programm ab.

Neben dem Klinikum Nürnberg ist eine Reihe weiterer Forschungsinstitutionen an „KOKON“ beteiligt: die Charité Universitätsmedizin Berlin, die Universität Frankfurt am Main, das Klinikum Fürth, die Universität Greifswald, die Klinik für Tumorbiologie Freiburg, die Universitätsklinik Fürth, die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, das Hans-Bredow-Institut in Hamburg sowie die Universitätsmedizin Rostock.

Quelle: Journal Onkologie/Deutsche Krebshilfe