Europäischer Krebskongress: Tumorbehandlungen werden immer intelligenter

04.10.12

„Die moderne Krebsmedizin und ihre Behandlungsmöglichkeiten werden Schritt für Schritt immer intelligenter, immer besser, und bringen immer mehr direkte Vorteile für Patienten“, so Prof. Dr. Christoph Zielinski, MedUni Wien, lokaler Veranstalter des Europäischen Krebskongresses ESMO 2012.

Einige Zahlen, die die Fortschritte der modernen Onkologie und den Vorteil für ihre Patienten und Patientinnen veranschaulichen: Überlebten zum Beispiel in den USA zwischen 1950 bis 1954 nur 35 Prozent aller Krebs-Patienten ihre Erkrankung über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren, waren es in den Jahren 1999 bis 2005 bereits 69 Prozent. In Europa ist diese Entwicklung ähnlich verlaufen.

 

Positiver Trend zu immer längerer Überlebensrate setzt sich weiter fort


Dieser positive Trend, so Prof. Zielinski, setzt sich aktuell in beeindruckendem Tempo fort: Vor zehn Jahren haben Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs im Durchschnitt 22 Monate überlebt, heute 58 Monate - also fast dreimal so lange.

„Es ist gelungen, manche früher unheilbaren Krebsformen heilbar zu machen. In vielen Fällen können wir Erkrankungen, die früher relativ rasch fortgeschritten sind, zunehmend zu chronischen Krankheiten machen.“

In der Krebstherapie gibt es eine große Zahl innovativer Arzneimittel für neue Anwendungsgebiete, doch werden weiterhin auch „alte“ Arzneimittel mit gutem Erfolg in Kombination mit „neuen“ oder in teilweise neuer Verabreichungsform eingesetzt, so Prof. Zielinski. „Über 900 Arzneimittel zur Behandlung verschiedenster Krebserkrankungen befinden sich in klinischen Studien, mehr als je zuvor. Zu vielen dieser Entwicklungen wurden auf dem ESMO 2012 die aktuellen Ergebnisse präsentiert, darunter solche zu neuen Therapien bei Magen-, Darm-, Lungen- oder Brustkrebs, die zum Teil die aktuellen Behandlungsstandards nachhaltig verändern oder die Richtigkeit der bisherigen Vorgangsweise bestätigen dürften.“


Blitzableiter in der Tumorzelle


Dabei nehmen Therapieverfahren mit neuen Medikamenten einen wichtigen Platz ein: Antikörper, die gegen Wachstumsfaktoren wirken, die Erweiterung ihrer Verwendungsmöglichkeiten oder neue Formen ihrer Verabreichung, oder neue Tyrosinkinase-Inhibitoren, die wie Blitzableiter in der Tumorzelle wirken, um ein eintreffendes Wachstumssignal zu neutralisieren.

Hinter solchen Entwicklungen steckt die speziell in den vergangenen Jahren immer schneller gewordene internationale Forschung und Entwicklung, die auch auf dem ESMO 2012-Kongress breit präsentiert und diskutiert werden wird. Einige Beispiele: Molekularbiologie, Genetik und Biotechnologie haben in Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen inzwischen zu völlig neuen Ansätzen geführt.

In den vergangenen Jahren wurden immer mehr moderne Hightech-Krebsmedikamente entwickelt, um bösartige Zellen genau an den Stellen zu treffen, die für ihr Überleben und ihr Wachstum entscheidend sind („Zielgerichtete Therapien“).

Es wird daran gearbeitet, die spezifischen Merkmale der Krebskrankheit individueller Patienten zu identifizieren, und die Therapie exakt auf diese Charakteristika zuzuschneiden: Um die Wirksamkeit zu steigern und um Nebenwirkungen zu reduzieren oder ganz zu verhindern („Personalisierte Medizin“). Zum Teil ist das bereits möglich.

„Wir Onkologen wollen, dass neue Therapien gegen Krebs den Patienten immer möglichst schnell zur Verfügung gestellt werden“, sagt Zielinski. „Die Versorgung der Patienten macht aber einen Schulterschluss in der Gesellschaft notwendig, um auch in Zukunft die Finanzierung sicher zu stellen - selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“


Quelle: ESMO/Journal Onkologie