„Mutmachmärchen für Frauen mit Brustkrebs“

03.12.12

Neun Promis an der Seite von Frauen mit Brustkrebs

Die Hamburger Tagesthemen-Moderatorin Susanne Holst ist tief davon überzeugt, dass Märchen heilende Kraft haben können. Die Ärztin und Mutter von siebenjährigen Zwillingen glaubt deshalb auch daran, dass Menschen mit schweren Schicksalen, wie es etwa die „Diagnose Brustkrebs“ ist, „neuen Mut und neue Hoffnung aus diesen über Jahrhunderte überlieferten magischen Mythen schöpfen“, sagte sie bei der Vorstellung des Hörbuchs „Mutmachmärchen für Frauen mit Brustkrebs“ im Düsseldorfer Theater an der Kö.

Die engagierte ARD-Tagesthemen-Lady Dr. Susanne Holst ist eine von neun Promis aus den Bereichen Medien, Medizin und Politik, die – so die Ideengeberin des Hörbuchs Ursula Goldmann-Posch – ein Ausrufezeichen der Solidarität mit uns Frauen mit Brustkrebs setzen wollten“.

Die Südtiroler Journalistin und Buchautorin Ursula Goldmann-Posch engagiert sich seit ihrer eigenen Brustkrebserkrankung im Jahr 1996 für ihre Leidensgenossinnen und hat bis heute einen Verein (www.mamazone.de), und zwei gemeinnützige Stiftungen (www.stiftungpath.org und www.pons-stiftung.org) ins Leben gerufen und diese Institutionen mit zahlreichen Projekten geprägt. Dafür wurde der Gründerin Goldmann-Posch Anfang 2010 vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Für ein Hörbuch mit klassischen deutschen, aber auch unbekannteren europäischen Märchenerzählungen habe sich die heute 63jährige Mutter eines Sohnes deshalb entschieden, weil „Märchen dem Menschen Archetypen, also Urbilder liefern, die sich tief in seine Seele einnisten und von dort aus Botschaften an ihn senden. Märchen sind aber auch seelische Rückzugsorte für Menschen, die, wie etwa Frauen nach der „Diagnose Brustkrebs“, etwas Unaussprechliches, Unfassbares erlebt und das Bedürfnis haben, für kurze Zeit nur, einen nützlichen Fluchtweg zu beschreiten, bis sie sich wieder gestärkt der Wirklichkeit stellen können“. Kein anderes therapeutisches Verfahren wie Märchen  – meint die Herausgeberin der Doppel-Hörbuch-CD Ursula Goldmann-Posch – kann die Berg- und Talfahrten unserer Existenz, die Hochs und Tiefs unserer Gefühle auf dem Lebensweg besser widerspiegeln und uns dabei hineinnehmen in eine archetypische Dramaturgie, in der wir uns mit den Protagonisten der Märchen ganz tief identifizieren und innerlich mit ihnen leiden, fühlen, jubeln“.

„Märchen sind Überlebensgeschichten“, sagt auch die Schweizer Tiefenpsychologin und Märchen-Expertin Verena Kast in ihrem Vorwort zu diesem Hörbuch. Sie arbeitet psychotherapeutisch mit Märchen und ist der Überzeugung, dass durch sie „auch Ressourcen in unserer Psyche belebt werden“. Märchen handeln freilich nicht ausdrücklich vom Umgang mit Brustkrebs, stellt Kast klar, „aber sie handeln vom Umgang mit existentiell bedeutsamen Situationen der Bedrohung und des Aufbruchs“ und bieten exemplarische Lösungsmöglichkeiten, um mit problematischen Lebenssituationen umgehen zu lernen. Das sind keine Rezepte, die man bei der Apotheke holen kann, sondern „es ist das Nachdenken über das Märchen, das uns zu psychologischen Einsichten verhelfen kann, es ist die Haltung, die Märchenheldinnen und Märchenhelden and den Tag legen und die wiederum auch uns selbst helfen, unser Leben besser zu meistern“, resümiert die Psychotherapeutin die heilsame Kraft der Märchen bei Krankheit.

So erzählt beispielsweise Medizinjournalistin und Tagesthemen-Moderatorin Susanne Holst in dem Hörbuch das italienische Märchen „Das Mädchen ohne Hände“, Schauspielerin und Brustkrebs-Patientin Heidelinde Weis „Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen“; Deutschlands einzige Lehrstuhlinhaberin für Frauenheilkunde, Professor Marion Kiechle, TU-München, liest aus „Dornröschen“ vor, die selbst ebenfalls an Brustkrebs erkrankte Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, erzählt vom „Lumpenkind“ und TV-Star Rita Russek (u.a. als Kommissarin Anna Springer in der erfolgreichen ZDF-Samstagskrimireihe „Wilsberg“) rezitiert Leo Tolstois „Drei Fragen“. „Rotkäppchen“ hingegen lag TV-Schauspielerin Janina Hartwig (Schwester Hanna in „Um Himmels willen“) besonders am Herzen, und der Genfer Pathologie-Professorin Bettina Borisch das Oscar-Wilde-Kunstmärchen „Der selbstsüchtige Riese“. Die Berliner Synchronsprecherin und Schauspielerin Daniela Hoffmann liest das „Märchen von der unglücklichen Prinzessin“, während die Star-Sprecherin von mamazones Medien-Partner KLASSIK RADIO, Sandra Voss, das „Märchen von der kranken Prinzessin“ vorträgt, die natürlich durch die Hilfe eines von einem jungen Prinzen aufgefundenen „Lebenswassers“ wieder gesundet.

„Der gute Ausgang eines bösartigen Schicksals ist der gemeinsame Nenner dieser Mutmachmärchen“, sagt die Herausgeberin der Hörbuch-Doppel-CD Ursula Goldmann-Posch. „Ich habe dafür eigens Märchen ausgewählt oder den Leserinnen vorgeschlagen, die vom Ende der Opferrolle erzählen; vom aktiven Sich-bewusst-Werden von Frauen, dass sie nicht nur immer Opfer, immer Niedergeschlagene, immer Ausgebeutete, immer Ausgetrickste oder Misshandelte bleiben müssen, sondern die Wahl haben: dass wir Frauen einfach die Entscheidung treffen können, wiederaufzuerstehen, „mitten am Tage, mit unserem lebendigen Haar, mit unserer atmenden Haut“, wie die Dichterin Marie Luise Kaschnitz in ihrem Gedicht „Auferstehung“ schrieb.

Und von welchem Märchen fühlt sich die Autorin dieses Hörbuches selbst am meisten angesprochen? „Am meisten spricht mich das von der Genfer Pathologieprofessorin Bettina Borisch vorgelesene Kunstmärchen von Oscar Wilde „Der Selbstsüchtige Riese“ an“- sagt mamazone-Gründerin und heute Ehrenvorsitzende Ursula Goldmann-Posch. „Ich dachte da spontan an eine Parabel des Bösartigen im Kampf gegen das Gutartige; an die absolut größenwahnsinnige, asoziale, egoistische, egomanische Krebszelle, die den gutartigen Zellen im Kontext der normalen Zellfamilie jegliche Existenzberechtigung verwehrt, eine dicke Mauer um sich herum aufbaut, sich abschottet und – durch die soziale Isolation und Einsamkeit - immer böser und bösartiger, immer zerstörerischer wird. Bis plötzlich ein kleines Kind (von mir symbolhaft gedeutet als eine kleine, junge, neugeborene Normalzelle) auftaucht. Dem gelingt es schließlich, die bösartige Krebszelle, den selbstsüchtigen Riesen in seiner selbstgewählten Isolierung und sozialen Kälte so zu berühren, so anzurühren, dass er sich wandelt; dass er sich ändert – und – wenn man so will, dass sich die bösartige Tumorzelle in meiner Phantasie wieder „re-differenziert“, das heißt, in eine gutartige Normalzelle innerhalb der Zellfamilie, unserer Gesellschaft also, zurückverwandelt.

Das Hörbuch „Mutmachmärchen für Frauen mit Brustkrebs – wie Märchen heilen helfen“ kann gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 8 € (inklusive Porto und Verpackung)  im mamazone-Büro Augsburg, Max-Hempel-Strasse 3, 86153 bestellt werden. Für Internet-Nutzerinnen steht die Seite www.mutmachmaerchen.de zur Verfügung.


Von: Ursula Goldmann-Posch und Inge Bördlein-Wahl