Der Wandlungsfähigkeit von Krebszellen auf der Spur

14.12.12

Hormontherapien gehören zu den am häufigsten eingesetzten Therapieverfahren bei Krebserkrankungen. Vor allem in der Behandlung von Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs haben sie ihren festen Platz als medikamentöse Strategie, da das Tumorwachstum von Hormonen gesteuert wird. Mithilfe von antihormonellen Therapien kann das Andocken der Hormone an die Empfangsantennen (Rezeptoren) der Tumorzellen unterbunden beziehungsweise die Bildung entsprechender Hormone verhindert werden.

„Tumorzellen können sich allerdings im Verlauf der Hormontherapie verändern. Sie können neue Hormonrezeptoren und auch Resistenzen gegen das eingesetzte Präparat entwickeln“, gibt der Krebsexperte und Transfusionsmediziner Dr. med. Ulrich Pachmann vom Transfusionsmedizinischen Zentrum Bayreuth (TZB) zu bedenken. „Es ist diese Wandlungsfähigkeit der Krebszellen“ – so Pachmann – „die den Erfolg von Anti-Hormontherapien beträchtlich schmälern kann. Es sei denn, die Therapie wird rechtzeitig angepasst.“

Dazu sei  es erforderlich, den Zeitpunkt zu erkennen, zu dem die Veränderung der Verhältnisse an der Oberfläche, etwa der Brustkrebszellen, eintritt. Bisher war dieser nicht feststellbar", erläutert Pachmann.

Genau hier setzt der onkologische Bluttest dem Namen "maintrac" an: Mit einer halbjährlichen Zählung der im Blutkreislauf des Patienten zirkulierenden Tumorzellen gelingt es, den ungefähren Zeitpunkt der Veränderung der Zellen nachzuvollziehen. Die angewandte antihormonelle Hormontherapie könne so – davon ist Pachmann überzeugt – rechtzeitig angepasst und verbessert werden.

"Wird bei einer Frau mit Brustkrebs eine zunächst wirksame Anti-Hormontherapie angewandt, so bleibt die Zahl der Tumorzellen gleich oder sinkt sogar. Zum Zeitpunkt jedoch, an dem die Krebszellen neue Empfängerstationen auf ihrer Oberfläche entwickeln, die "taub" gegen die antihormonelle Behandlung und daher "resistent" sind  – gegen die Therapie also gleichsam immun sind – kann mit Hilfe des maintrac-Tests ein Wiederanstieg der Zellzahlen festgestellt werden", führt der Bayreuther Transfusionsmediziner aus.

Das Diagnostik-Verfahren nutzt die Entwicklung der Zellzahlen im Blut somit als zuverlässigen, vorhersagenden (Faktor – auch für den Therapieerfolg insgesamt.

Bei Brustkrebs beispielsweise ermöglichen es spezielle, – "stratifizierte" maintrac-Testverfahren nach Untergruppen von Brustkrebs – festzustellen, ob und wie etwa die Blockade verschiedener Hormonrezeptoren von Östrogen-, über Progesteron- und Andro­genrezeptoren bis hin zu EGFR und HER2 / neu mit Hilfe entsprechender Medikamenten wirken. Deren Wirksamkeit kann dabei bereits vor Behandlungsbeginn in der Blutprobe einer Patientin getestet werden.

Durch die Blutdiagnostik nach dem maintrac-Verfahren lassen sich antihormonelle Therapien erfolgreicher ausgestalten. Aber auch der häufig zu verzeichnende Anstieg oder Wechsel des Anteils HER2 / neu-positiver Krebszellen (12-16 Prozent alle Frauen mit Brustkrebs wechseln ihren HER2-Status im Laufe ihres Lebens mit Brustkrebs) während des Behandlungsverlaufs eröffnet duch Bluttests wie maintrac und andere neue Therapie-Optionen.

Es scheint, als gäben Blutanalysen nach zirkulierenden Tumorzellen – so Pachmann – eine Antwort auf die dem Wesen von Brustkrebszellen entsprechende Wandlungsfähigkeit und somit den behandelnden Ärzten das notwendige Wissen an die Hand, um dieser therapeutisch Rechnung zu tragen.

Ursula Goldmann-Posch/Quelle: www.maintrac.de