Was hat Brustkrebs mit Papst Benedikt XVI. und seiner Amtskirche zu tun?

12.02.13

mamazone e.V. zum Rücktritt des zweiten Papstes in der Kirchengeschichte, am Rosenmontag: Plädoyer für mehr Frauenfreundlichkeit in der Katholischen Kirche von einer engagierten Katholikin

Nach 700 Jahren ist wieder ein Papst zurückgetreten – der zweite Papst in der Geschichte der Katholischen Kirche.

Papst Benedikt XVI. („Benedetto“ alias Josef Ratzinger aus Marktl am Inn) ist ein exzellenter Theologe, der das Pech hatte, Oberhaupt einer verstrickten und strapaziösen „Mutter Kirche“ zu sein, die ihm als oberster irdischer Hirte entglitt. Er war der viel zu sensible Chef einer „Stiefmutter Kirche“.

Skandale und Freud´sche Fehlleistungen, die aus einer langen Tradition der Amtskirche herrühren, die eigene Wesenheit als Gottesgeschöpfe aus Geist, Leib und Seele zu unterdrücken; unverantwortliche Sünden, getragen von offener Verachtung für uns Frauen, denen durch unterlassene Hilfeleistung an deutschen Katholischen Krankenhäusern „die Pille danach“ verweigert wird; beschämende Dumping-Preise für Kindergärtnerinnen und Pflegekräfte an katholischen Institutionen, die das Ausmaß des Konzerns Amtskirche in ihrer ganzen Härte deutlich machen; peinliche und demaskierende Patzer, die weltweit durch antisemitische Äußerungen der Kirchenspitze für Abscheu und Distanz sorgen, pandemische Kirchenaustritte der katholischen Kirchensteuerzahler, die diese Amtskirche nicht länger durch  ihre Steuergelder subventionieren wollen; - das sind Befunde, die alle von einem blutroten Schicksalsfaden durchwoben sind: die Amtskirche ist auch in 2013 ein Club alter, unreifer, manchmal auch kindlicher Macho-Männer geblieben.

Unter „Amtskirche“ meine ich nicht uns, die vielen engagierten und ehrenamtlich tätigen Frauen (besonders Frauen) und Männer – denn im Namen Jesu sind wir alle eine Art „corporate church“, sind wir alle der „Leib Kirche“, eben das, was Jesus mit uns, als Kirchengemeinschaft, vorhatte.

Nein, ich meine die gnadenlosen Verhinderungsbeamten dessen, was Jesus uns aufgetragen hat zu tun: zu glauben, zu hoffen, zu lieben.


Die Evas und Magdalenas dieser Amtskirche

So gesehen hat die Amtskirche durch die Jahrhunderte hindurch („Hexenverbrennung“, „Kreuzfahrer“, Prunkpaläste, doppelte Moral beim bewussten Wegschauen der Kirchenführer im Zusammenhang mit „Priesterehen“ und „Priesterkinder“, Diskriminierung von Homosexuellen bei einem hohen Anteil von  Priestern, die, behaftet mit jeder Menge ekklesiogener Neurosen, in eine „Pseudo-Homosexualität“ geflüchtet sind, auf der Suche nach ihrer, dem Zwangs-Zölibat geschuldeten Identität) – aus diesem Blickwinkel heraus muss die katholische Chefetage deutlich bekennen, schwer gesündigt zu haben: Gegen die Barmherzigkeit, gegen die dem Evangelium gemäßen Tugenden und Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams, gegen das Vertrauen in den vielfach beschworenen Heiligen Geist, der weht, wo und wie er will.

Die Verliererinnen bei dieser abwehrenden und ängstlichen Haltung dem Wehen des Schöpfergeistes gegenüber waren durch die Jahrhunderte hindurch die EVAS & MAGDALENAS dieser Amtskirche: die Frauen, die dieser so unglückselig konstituierten Stiefmutter Kirche am Nachhaltigsten die Stange hielten; wir Frauen, die ihr dienten; demütig dienten, wenngleich wir immer noch nicht zum Dienst als Priester zugelassen sind; wenngleich wir diejenigen waren und sind, die den Zölibat (die von der Amtskirche vor 300 Jahren verordnete Ehelosigkeit ihrer Priestermänner) hielten und bis heute halten.

Denn die „Unheiligen Ehen“  in der katholischen Amtskirche, das sogenannte „KONKUBINAT“, werden nur dadurch ermöglicht, dass die betroffenen Frauen in der frauenfeindlichen Grauzone des Zölibats eine Schattenehe mit Priestermännern führen, die entweder zu feige oder finanziell zu abhängig sind, ihrem Arbeitgeber „Katholische Amtskirche“ offen und für immer den Rücken zu kehren, um das Sakrament der Ehe einzugehen.

Diese Schattenfrauen halten den Zölibat, ihre Männer brechen ihn. Diese Frauen verbiegen sich in ihrer Identität, aus Liebe, aus Hoffnung, im Glauben an eine Pseudo-Ehe, die nie, niemals, den Nulla-Ostat-Stempel der Amtskirche bekommen wird. Und sie tun dies, auch um den Preis, kinderlos bleiben und auf ihre Identität als ganze Frau zu verzichten zu müssen.


Was hat Brustkrebs mit dem Zölibat der Katholischen Kirche zu tun?

Auch wir Frauen mit Brustkrebs, besonders jene, die sich für eine Amputation ihrer Brust entschieden haben oder jene, die ihre Brust durch eine „Operation Mammakarzinom“ verabschieden mussten, auch wir mAmazonen  müssen jeden Tag mit unserer Identität als Frauen kämpfen – ausgelaugt von Aromatasehemmern und Chemotherapie, gezeichnet von vorzeitigen, künstlichen, blitzartig über uns hereingebrochenen Wechseljahren, vom Verlust der Freude am Sex, vom Tabu und vom Stigma, von der Scham, mit trockener Scheide spontan mit dem Partner zu schlafen.

Brustkrebs hat sehr viel mit einer von Männern dominierten und konstituierten Amtskirche zu tun: die Priesterfrauen sind das Gespött von Männerstammtischen. Sie regen die Phantasien von Männern an. Die Brustkrebsfrauen müssen sich in einer von Männern beherrschten Frauenmedizin – Gynäkologie genannt -  immer noch wehren, damit sie als Frauen und nicht nur als zu „managendes Mammakarzinom“ behandelt werden.

Die Frauen, die an Stelle ihres Priestermannes dadurch den eigentlichen Zölibat halten, dass sie, ähnlich dem sich selbst aufopfernden Pelikan, als Behinderte und Verhinderte der ganzen Liebe auf die Verwirklichung ihrer ganzen Weiblichkeit verzichten, - diese Frauen haben schmerzlich gelernt, hinter ihrem Selbst zurückzutreten.

Die Frauen, die mit der „Diagnose Brustkrebs“ leben müssen, indem sie sich, nicht selten in serviler Haltung dem medizinischen System, ihrer „Amtskirche“ gegenüber, nach der Decke des Überlebens strecken und eine Gratwanderung gehen müssen – diese Frauen tragen täglich in einer vom Fetisch Busen getriebenen Männerwelt ihre Identität als Weib zu Grabe, und dies, ohne bewusst darüber zu trauern. In Deutschland gibt es bis heute nur eine Frau, die den Lehrstuhl als Ordinaria für Frauenheilkunde bekleidet – Prof. Dr. med. Marion Kiechle vom Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität in München.

Welcher „Gyn-Papst“ müsste im Fall von uns Frauen mit Brustkrebs die Konsequenzen aus den männlichen Platzhirsch- und Ränkekämpfen ziehen, die das Haifischbecken der Mamma, wie die Brust im Lateinischen genannt wird, haufenweise und sehr zum Schaden der eigentlich Leidenden und Betroffenen, bevölkern?

Um öffentlichen Diskurs wird gebeten.


Ursula Goldmann-Posch ist u.a. Autorin des Buches „Unheilige Ehen – Gespräche mit Priesterfrauen“ (Kindler Verlag, 1985) / Amazon

Das hier beigefügte E-Buch ist hier aus aktuellem Anlass kostenlos zum Download bereitgestellt als ZIP von der Autorin Ursula Goldmann-Posch. Alle Rechte liegen bei der Autorin.

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Von: Ursula Goldmann-Posch