ASCO 2013: Molekulare Risikotests bei Brustkrebs im Vergleich

10.06.13

Beim Jahrestreffen der „American Society of Clinical Oncology“ (ASCO) in Chicago wurden neue Daten aus der klinischen Praxis zu den Brustkrebs-Prognosetests EndoPredict und uPA/PAI-1 vorgestellt. Beide Tests können zur Abschätzung des Risikos bei Brustkrebs herangezogen werden. Ziel ist es hierbei, eine klare Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie geben zu können. Im Rahmen einer Vergleichsstudie wurde an der Technischen Universität München der Einfluss auf die finale Behandlungsentscheidung begutachtet.

„Unsere prospektive Studie zeigt zum ersten Mal, dass mit dem moderneren EndoPredict-Verfahren sehr viel mehr Patientinnen einer Niedrigrisikogruppe zugeordnet werden können als mit dem älteren uPA/PAI-1-Test“, erklärt Professor Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. „Zudem ist der EndoPredict in seiner Anwendung einfacher, da kein Frischgewebe benötigt wird und er bei einer größeren Patientinnengruppe angewendet werden kann.“
 
Untersucht wurden die Tumorproben von Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem und Her2/neu-negativem Brustkrebs. Ermittelt wurde dabei der Gen-basierte, sogenannte EPclin-Score (37 Prozent high risk, 63 Prozent low risk) und - wenn möglich und sinnvoll - der uPA/PAI-1-Level (63 Prozent high risk, 37 Prozent low risk).
 
„Die Therapieentscheidung wurde vor allem durch den EPclin herbeigeführt. Die Testergebnisse führten dazu, dass 44 Prozent der Patientinnen keine Chemotherapie erhielten, obwohl dies zunächst angedacht war. Bei 5 Prozent war es genau umgekehrt, diese bekamen aufgrund des erhöhten Risikos nach EPclin eine Chemotherapie“ erklärt Professor Kiechle. „Insgesamt lässt sich sagen, dass der EndoPredict das vielseitigere und leistungsfähigere Verfahren zur Prognosebestimmung ist. Er kann im klinischen Alltag einfacher eingesetzt werden, und einem Drittel mehr Frauen kann eine Chemotherapie erspart werden.“
 
EndoPredict ist ein speziell für Brustkrebspatientinnen entwickelter Multigen-Prognose-Test, der in drei Studien mit über 2.200 Patientinnen klinisch validiert wurde und damit einen Evidenzgrad von I besitzt. Bei Patientinnen mit sehr guter Prognose kann auf eine Chemotherapie verzichtet werden. Als einziger Test seiner Art wird der EndoPredict direkt in der örtlichen Pathologie als ärztliche Leistung angeboten. Das Ergebnis kann bereits nach einem Tag vorliegen und ermöglicht eine zeitnahe Planung der weiteren Therapieschritte.

Das Testverfahren wird noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Quelle: Journal Onkologie vom 5.Juni 2013 / Sividon