Öffentliches Bewusstsein für fortgeschrittenen Brustkrebs wecken

26.06.13

In der öffentlichen Wahrnehmung klafft eine große Lücke, was das Wissen um das frühe und das fortgeschrittene Stadium von Brustkrebs anbelangt. Laut einer Online-Befragung, an der 2.202 Frauen und Männer teilnahmen, wussten zwar 83 Prozent, dass es sich beim Brustkrebs im frühen Stadium um eine heilbare Krankheit handelt. Doch immerhin 73 Prozent wussten nicht oder waren sich weitgehend im Unklaren darüber, dass Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr heilbar ist.

Durchgeführt wurde die Umfrage im Auftrag von Novartis Oncology, Region Europa, vom weltweit tätigen Marktforschungsunternehmen OnePOll, und zwar im Mai und Juni dieses Jahres. Beteiligt waren neben Deutschland Großbritannien, Frankreich, Schweden, die Niederlande, Dänemark, Italien, Österreich, Spanien, Griechenland und Polen. Die Umfrage sollte darüber informieren, wie es um das allgemeine Bewusstsein der europäischen Bevölkerung über Brustkrebs im fortgeschrittenen und frühen Stadium bestellt ist.

Ein Großteil der Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs fühlt sich isoliert

Wie aus den 1. Internationalen Konsensus-Leitlinien für das metastasierte Mammakarzinom hervorgeht, fühlt sich ein nicht unerheblicher Teil der Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs häufig allein gelassen und darüber hinaus von jenen Patientinnen isoliert, die schon im frühen Stadium behandelt werden können. Zudem verdichten sich die Hinweise immer mehr, dass das fortgeschrittene Mammakarzinom eine Unzahl sozialer wie psychologischer Bedürfnisse nach sich zieht, die praktisch in keinem Fall befriedigt werden.

Eine weltweite Umfrage mit dem programmatischen Titel "Zählt uns, Kennt uns, Schließt euch uns an", die von Novartis Oncology zusätzlich zur europäischen auf den Weg gebracht wurde, lieferte ebenfalls bedeutsame Ergebnisse. Demnach konnten sich 63 Prozent der befragten Frauen im fortgeschrittenen Stadium des Gefühls nicht erwehren, dass niemand zu verstehen scheint, was sie aufgrund ihrer onkologischen Erkrankung durchzumachen haben. 41 Prozent gaben an, dass im fortgeschrittenen Stadium, im Vergleich zur ersten Diagnose, die Unterstützung, die sie durch familiäres Umfeld und Freundeskreis zunächst erfahren hatten, zurückgegangen war. 70 Prozent der weltweit befragten Patientinnen hatten außerdem große Probleme, eine geeignete Selbsthilfegruppe für Frauen mit Mammakarzinom im fortgeschrittenen Stadium zu finden.

Kampagne soll Verständnis für Patientinnen im fortgeschrittenen Stadium wecken

Beide Umfragen signalisieren also unmissverständlich, dass sich Patientinnen im Stadium des fortgeschrittenen Mammakarzinoms in einer in mehrfacher Hinsicht unerfreulichen Situation befinden. Und exakt hier soll die europaweite Disease-Awareness-Kampagne "Here & Now" nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern konkret das Verständnis für das hohe Maß an unerfüllten sozialen wie psychologischen Bedürfnissen wecken, welche die beiden repräsentativen Befragungen aufgedeckt haben.

Sofern dies auf breiter Basis gelingt, ist damit zu rechnen, dass neben der  Unterstützung auch die Behandlung von Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom verbessert wird. Mit der Kampagne wird darüber hinaus erforscht, wie sich fortgeschrittener Brustkrebs auf persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene auswirkt. Zentrales Ziel ist dabei die tragende Rolle, welche die betroffenen Frauen auf Länderebene und auch innerhalb Europas in der Gesellschaft spielen.

Es existiert immer noch keine allgemeingültige Standardversorgung

Das Mammakarzinom ist nach wie vor weltweit die häufigste Krebsart, von der Frauen befallen werden und macht 23 Prozent aller neuen Krebsfälle bei Frauen aus. Trotz der großen Fortschritte, welche die Onkologie insgesamt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bereichert haben, gibt es noch offene Flanken, wie das Beispiel des fortgeschrittenen Mammakarzinoms nur allzu deutlich vor Augen führt. Wie begrenzt hier die therapeutischen Optionen sind, ist auch daran zu erkennen, dass bislang noch keine allgemeingültige Standardversorgung der betroffenen Patientinnen existiert.

Die missliche Situation ist auch dadurch gekennzeichnet, dass immer noch 30 Prozent der im frühen Stadium diagnostizierten Mammakarzinome in das fortgeschrittene Stadium übergehen, das bislang unheilbar ist. Dies könnte u.a. auch an der symptomorientierten Nachsorge liegen, die – laut Leitlinie - erst bei körperlichen Anzeichen eines Rückfalls mit Laboruntersuchungen und Bildgebung tätig wird.

Somit sind die therapeutischen Möglichkeiten weiterhin darauf beschränkt, die Symptomatik zu lindern, die Progredienz hinauszuzögern und das Gesamtüberleben zu verlängern. Doch diese Maßnahmen sollten die Lebensqualität tunlichst nicht in Mitleidenschaft ziehen.

kbf/ugopo

Quelle: JournalOnkologie 25062013/Launch-Event anlässlich der europaweiten Disease-Awareness-Kampagne „Here & Now“ zum Thema fortgeschrittener Brustkrebs, Brüssel, 17. Juni 2013; Veranstalter: Novarti