Humaner Antikörper Trastuzumab geht jetzt auch unter die Haut

20.09.13

Trastuzumab (Herceptin®) ist der erste gegen HER2 gerichtete Antikörper und hat seit seiner Einführung vor mehr als einem Jahrzehnt die bis dahin unzureichende Therapie des HER2-positiven Brustkrebses einen entscheidenden Schritt vorangebracht. Mittlerweile hat dieser Wirkstoff einer Vielzahl von Patientinnen mit dieser besonders aggressiven Form von Brustkrebs zu einer deutlich besseren Prognose verholfen. Seit Ende August 2013 kann Trastuzumab auch unter die Haut, also subkutan injiziert werden. Von der einfachen und raschen Gabe profitieren nicht nur die Frauen, sondern auch Ärzte und Pflegekräfte.

„Trastuzumab brachte eine unglaubliche Innovation für die Therapie es Mammakarzinoms", stellte  Professor Christian Jackisch aus Offenbach anlässlich einer Pressekonferenz des herstellenden Unternehmens Roche in Hamburg fest. Der humane Antikörper kann allein und in Verbindung mit der Hormon- oder Chemotherapie eingesetzt werden. Er begleitet die Patientinnen im Alltag über viele Jahre. Weil aber die intravenöse Gabe bis zu eineinhalb Stunden dauern kann und ohne Venenpunktion nun mal nicht auskommt, konnten sich viele Frauen nicht auf Dauer mit dieser Prozedur anfreunden. Als willkommene Alternative ist jetzt die subkutane Anwendung des Antikörpers möglich, und zwar alle drei Wochen innerhalb von weniger als fünf Minuten per Spritze.

Subkutanes Trastuzumab enthält eine biotechnologisch hergestellte Form der  Hyaluronidase als Trägerstoff, der die Hyaluronsäure spaltet und dadurch lokal und temporär die Verbreitungsfläche des Gewebes unter der Haut vergrößert. Herceptin SC wird, unabhängig vom Körpergewicht, in einer fixen Dosierung von 600 mg appliziert und ist als gebrauchsfertige 5-ml-Lösung verfügbar, erläuterte der Offenbacher Gynäkologe.

Wie es um die Wirksamkeit beider Applikationsformen bestellt ist, wurde in der HannaH-Studie überprüft. Die Studie zeigte, dass beide Applikationsformen eine gleich gute Wirksamkeit entfalteten. Auch in puncto Sicherheit und Verträglichkeit war die subkutane Gabe der intravenösen ebenbürtig.

Die PrefHer-Studie, an der 488 Patientinnen mit operiertem und histologisch gesichertem HER2-positiven Brustkrebs im Frühstadium teilnahmen, wollte herausfinden, welche Form der Antikörper-Gabe - die subkutane Applikation mit einem speziellen Einweg-Injektionsgerät oder die intravenöse Verabreichung - die Patientinnen bevorzugen. 91,5 Prozent der Patientinnen gaben der subkutanen Applikation gegenüber der intravenösen den Vorzug. Hauptmotiv dabei ist der nicht unerhebliche Zeitgewinn.

Quelle: JournalOnkologie 17092013/Pressekonferenz "Zulassung für Herceptin SC – Mehr Freiraum für Frauen mit HER2-positivem Mammakarzinom", Hamburg, 12. September 2013