Über 60 Prozent der Patientinnen mit frühem Brustkrebs brauchen keine Chemo

14.10.13

Vor etwa einem Jahr begann die Pilotphase der WSG-ADAPT Studie zunächst an Kliniken in NRW und Hamburg und später auch im Rest von Deutschland. In dieser Zeit wurden mehr als 600 Patientinnen mit hormonsensiblem Brustkrebs im Rahmen der ADAPT-Studie therapiert. In dieser Studie wird erstmals weltweit der genetische Fingerabdruck von Brustkrebs (Oncotype DX®) mit dem individuellen frühen Ansprechen auf eine Standard-Antihormontherapie bei der Entscheidung für oder gegen eine vorbeugende Chemotherapie kombiniert.

Ziel ist es, möglichst vielen Frauen eine unnötige Chemotherapie mit all den Nebenwirkungen sicher zu ersparen. Dazu gehören Patientinnen mit einem niedrigen und erstmals auch mit einem mittleren genomischen Risiko, bei denen ein gutes frühes Ansprechen - gemessen durch die Zellteilungsrate - auf die Antihormontherapie vorliegt. Beide Tests sind seit längerem erforscht, ihre Kombination wird jetzt dazu genutzt, um die Therapieentscheidung beim mittleren Rückfallrisiko zu individualisieren. Zu dieser Gruppe gehören 40-60 Prozent derjenigen Patientinnen, bei denen eine Gen-Signatur zur genauen Abschätzung des Rückfallrisikos angewendet wird.

Annahme der WSG-ADAPT Studie war, dass bei Patientinnen ohne und sogar mit geringem Lymphknotenbefall, die anhand der klinischen Tumoreigenschaften eine vorbeugende Chemotherapie nach der Operation bekommen sollten, in zirka 44 Prozent der Fälle diese Chemotherapie sicher erspart werden kann. Erste Analysen der ADAPT Studie nach den ersten 400 Patientinnen zeigen jedoch, dass dies sogar bei etwa 63 Prozent der Patientinnen möglich ist. Diese Zahlen stellen einen Durchbruch bei der personalisierten Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium dar. Zusätzlich vermeidet die ADAPT Studie eine Untertherapie bei Patientinnen, deren Tumoren nicht ausreichend auf die alleinige Antihormontherapie ansprechen.
Erstmals arbeitet die WSG im Rahmen der ADAPT Studie mit großen Krankenkassen zusammen, um die Anwendung der neuen Gensignaturen qualitätsgesichert zu gestalten und so evidenzbasiert den Weg in den klinischen Alltag vorzubereiten.

Der Stellenwert der Chemotherapie gilt gegenwärtig nur beim hohen Risiko als gesichert, die Frage der optimalen Therapie beim mittleren Risiko wird derzeit im Rahmen von wissenschaftlichen Studien (ADAPT, TailorX, RxPonder) geklärt.

Quelle: JournalOnkologie/Westdeutsche Studiengruppe (WSG GmbH)