PIK3CA-Genmutationen bei HER2- und HR-positivem Mammakarzinom führen zu Resistenz gegen neoadjuvante Therapie

07.01.14

Patientinnen mit einem Brustkrebs, der in hohem Maße HER2 und Hormonrezeptoren überexprimieren und eine oder mehrere Mutationen des PIK3CA-Genes aufweisen, haben deutlich weniger Nutzen von einer neoadjuvanten Behandlung mit Chemotherapie und HER2-gerichteten Substanzen. Dies zeigen Studienergebnisse, die auf dem vergangenen San Antonio Breast Cancer Symposium im Dezember 2013 präsentiert wurden.

Unter einer neoadjuvanten Therapie versteht man Behandlungen, die vor einer Operation durchgeführt werden, um einen Tumor zu verkleinern oder zu entfernen. Bei manchen Frauen mit Brustkrebs werden dann in dem bei der Operation entnommenen Brustgewebe und in den Lymphknoten keine Tumorzellen mehr gefunden. Dies bezeichnet man als pathologisch komplette Remission (pCR). Neuesten Erkenntnissen zufolge haben Frauen, die nach der neoadjuvanten Therapie eine pCR aufweisen, eine größere Chance auf ein langfristiges Überleben als Frauen, bei denen keine pCR erzielt wurde.

Mutationen im PIK3CA-Gen sind eine der am häufigsten vorkommenden genetischen Veränderungen bei Brustkrebs", erklärte Prof. Sibylle Loibl von der German Breast Group (GBG) in Neu-Isenburg im Rahmen des Kongresses. "Wir haben herausgefunden, dass sehr wenige Frauen mit HER2- und HR-positivem Mammakarzinom mit einer PIK3CA-Mutation nach einer neoadjuvanten Therapie eine komplette pathologische Remission zeigen."

"Wir müssen neue Behandlungsoptionen für diese Patientinnengruppe entwickeln und diese in klinischen Studien untersuchen. Außerdem müssen wir Tests auf PIK3CA-Mutationen im Tumorgewebe in die routinemäßigen Untersuchungen integrieren, damit wir gewährleisten können, dass jede Frau die am besten geeignete neoadjuvante Therapie für ihren individuellen Tumor erhält."

Loibl und Kollegen haben untersucht, ob das Vorhandensein einer PIK3CA-Mutation bei Patientinnen, die in die GeparSixto (G6) Studie aufgenommen worden waren, die pCR- Rate nach der neoadjuvanten Therapie beeinflusst hat. Bei 512 der 595 Patientinnen, die an der G6-Studie teilgenommen hatten, waren Informationen zum Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein einer PIK3CA-Genmutation verfügbar. 240 Patientinnen hatten ein HER2-positives und 272 ein tripel-negatives Mammakarzinom.

Die Teilnehmerinnen der G6-Studie erhielten eine neoadjuvante Chemotherapie (Paclitaxel und nicht-pegyliertes liposomales Doxorubicin) und zusätzlich durch das Zufallsprinzip entweder Carboplatin oder keine weitere Chemotherapie. Patientinnen mit HER2-positiver Erkrankung bekamen zusätzlich eine Kombination der beiden HER2-gerichteten Substanzen Trastuzumab und Lapatinib, während Patientinnen mit tripel-negativer Erkrankung zusätzlich Bevacizumab erhielten.

Die Arbeitsgruppe um Loibl konnte zeigen, dass der Tumor von Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom im Vergleich zu Frauen mit tripel-negativem Brustkrebs mit größerer Wahrscheinlichkeit mindestens eine PIK3CA-Mutation aufwies. Insgesamt war die pCR-Rate bei Frauen mit mindestens einer PIK3CA-Mutation niedriger als bei Frauen ohne PIK3CA-Mutation, aber der Effekt war nur in der Gruppe mit HER2- und HR-positivem Tumor signifikant. Patientinnen mit einer PIK3CA-Mutation zeigten eine pCR-Rate von nur 6,5% im Vergleich zu 30,8% bei Frauen ohne eine PIK3CA-Mutation.

"Diese Untersuchungen machen deutlich, dass Frauen mit HER2+ und HR-positiver Erkrankung und PIK3CA-Mutation nahezu resistent gegenüber einer neoadjuvanten Chemotherapie mit gleichzeitiger dualer Blockade des HER-2 Signalwegs sind", sagte Loibl in San Antonio.
"Um diese Ergebnisse bei Patientinnen zu überprüfen, die nur eine HER2-gerichtete Substanz erhalten haben, haben wir das Datenmaterial einer anderen klinischen Studie, der GeparQuinto (G5)-Studie, analysiert. Dies war eine randomisierte Phase-III-Studie, die entweder Trastuzumab oder Lapatinib als anti-HER2-Behandlung im Rahmen einer neoadjuvanten Therapie bei Frauen mit HER2-positivem Mammakarzinom untersucht hat", erklärte Loibl. "Auch diese Ergebnisse haben wir in San Antonio zusammen mit denen aus der G6-Studie zum ersten Mal vorgestellt."

"RESPONSIFY - Genome-based biomarkers leading to validated molecular diagnostic tests for response prediction in breast cancer" (Grant-Agreement-Nummer HEALTH-F5-2012-278659).
Weitere Informationen finden Sie unter www.germanbreastgroup.de und unter www.responsify-fp7.eu.

Quelle: JournalOnkologie/GBG