Krebshilfe und Krebsgesellschaft fordern flächendeckende psychoonkologische Versorgung

03.03.14

Immer mehr Menschen erhalten die Diagnose Krebs. Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet so sehr unter der Erkrankung, dass sie psychologische Hilfe benötigen. Doch bundesweit werden noch nicht alle Patienten angemessen und nach den gleichen Qualitätsstandards versorgt. "Die Deutsche Krebshilfe appelliert an die Gesundheitspolitik und die Kostenträger, sich dem Thema verstärkt zu widmen und die notwendigen Versorgungsstrukturen in den Krebszentren sowie deren adäquate Finanzierung sicherzustellen", forderte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, auf einer Pressekonferenz auf dem gerade zu Ende gegangenen Deutschen Krebskongress 2014 in Berlin.

Professionelle Hilfe ist immer dann erforderlich, wenn die eigenen Ressourcen für die Krankheitsbewältigung nicht ausreichen. Betroffene, die unter Depressionen leiden, brauchen dringend Unterstützung. Und auch sozialer Rückzug, Schlafstörungen, Ängste oder andere psychische Störungen sind Hinweise dafür, dass psychoonkologische Hilfe notwendig sein könnte. Eine umfassende psychoonkologische Betreuung hat das Ziel, dem Betroffenen zu helfen, seine Krankheit aktiv zu bewältigen und zu lernen, mit den Symptomen und den Therapienebenwirkungen besser umzugehen. Eine angemessene psychoonkologische Hilfe umfasst die enge Zusammenarbeit eines Teams von Fachkräften: Ärzte, Psychologen, Pflegende, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten sind notwendig. Selbsthilfegruppen können die Leistungen des professionellen Versorgungssystems sinnvoll ergänzen.

Doch auch die Angehörigen sind von einer Krebserkrankung betroffen. "Angehörige machen sich ebenfalls Sorgen und sind verunsichert, sie müssen sich mit einer möglicherweise veränderten Zukunftsperspektive auseinandersetzen und praktische Aufgaben zusätzlich übernehmen. Zudem sind sie Berater und Begleiter über den oft langen Behandlungsprozess", so Mechthild Hartmann vom Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg.


Fortschritte im stationären Bereich

Im stationären Bereich wurden auf dem Gebiet der psychoonkologischen Versorgung in den vergangenen Jahren durchaus Fortschritte und Verbesserungen erzielt. Eine psychoonkologische Beratung und Begleitung durch professionelle Helfer wird heute in vielen onkologischen Akut- und Nachsorgekliniken angeboten. Nach den Zertifizierungskriterien der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft für Onkologische Spitzenzentren, Onkologische Zentren und Organkrebszentren muss in diesen psychoonkologische Versorgung gewährleistet sein.

Auch die Krebs-Selbsthilfe spielt eine wichtige Rolle bei der psychoonkologischen Betreuung von Krebspatienten. "Sie ergänzt die Versorgungsangebote des professionellen Systems um eine Variante, wie sie von keinem professionellen Helfer und auch nicht von Familie oder Freunden erbracht werden kann. Denn sie beruhen auf der Grundlage eigenen Erlebens, auf persönlicher Betroffenheit", erklärte Hilde Schulte, Ehrenvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

"Der Nationale Krebsplan der Bundesrepublik Deutschland fordert, dass alle Krebspatienten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich erhalten sollen", so Professor Dr. Susanne Singer, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universitätsmedizin Mainz. "Um dieses Ziel zu erreichen, sind mehrere Schritte notwendig: Die psychische Belastung bei den Patienten muss rechtzeitig erkannt werden, es muss ausreichend Versorgungsangebote geben, diese Angebote müssen professionell, qualitätsgesichert und gut erreichbar sein, und die Versorgung muss angemessen vergütet werden."

"Da wir mittlerweile eine gute Datenbasis haben, auf der der Bedarf an psychoonkologischer Betreuung ermittelt werden kann, und um dem Ziel einer bedarfsgerechten psychoonkologischen Versorgung auf höchstem Niveau Rechnung zu tragen, appelliert die Deutsche Krebshilfe daher an die Kostenträger, sich dem Thema verstärkt zu widmen und die notwendigen Versorgungsstrukturen sowie deren adäquate Finanzierung sicherzustellen", so Gerd Nettekoven.

Quelle: Deutsche Krebshilfe/JournalOnkologie 27022014