HER2-positives Mammakarzinom: AGO unterstreicht hohen Stellenwert der personalisierten Medizin

07.04.14

Die im März 2014 veröffentlichten Leitlinien der Kommission „Mamma“ der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) empfehlen Kadcyla® (Trastuzumab Emtansin; T-DM1) als neuen Standard für die 2nd-Line-Therapie des HER2-positiven metastasierten Mammakarzinoms. Zudem erneuert die AGO die Empfehlungen für Herceptin® (Trastuzumab, Roche) und Perjeta® (Pertuzumab): Der bewährte Antikörper Herceptin, der seit August 2013 auch subkutan verabreicht werden kann, ist auch in 2014 empfohlener Standard in der (neo)adjuvanten Therapiesituation. Zusätzlich wird die duale HER2-Blockade mit Herceptin und Perjeta als erste Wahl für die 1st-Line-Therapie im metastasierten Stadium bestätigt [1]. Die AGO-Empfehlungen spiegeln die hohe Bedeutung der personalisierten Medizin in der Behandlung des HER2-positiven Brustkrebs wider.

Mit dem höchsten Empfehlungsgrad (++) bewertet die AGO nun erstmals auch den Einsatz von Kadcyla bei Patientinnen ab der zweiten Therapielinie, die gegen die HER2-positive metastasierte Erkrankung bereits mit Herceptin behandelt wurden [1]. In dieser Therapiesituation ist Kadcyla nach vorangegangener Therapie mit Herceptin in Kombination mit einem Taxan als erstes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat gegen Brustkrebs seit November 2013 zugelassen. Die Resultate der Zulassungsstudie EMILIA belegen die hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit: Gegenüber der Kombination Capecitabin plus Lapatinib war das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat hinsichtlich sämtlicher klinischer Endpunkte signifikant überlegen. Diese Überlegenheit resultierte letztlich in einem signifikanten Überlebensvorteil von median fast einem halben Jahr (30,9 vs. 25,1 Monate; HR: 0,68; p<0,0006). Besonders wichtig in der fortgeschrittenen Therapiesituation: Unter Kadcyla war die Rate an unerwünschten Ereignissen (≥Grad 3) deutlich niedriger als unter der Kombinationstherapie (40,8 vs. 57,0%) [2].



Erneut höchste Empfehlungen für Herceptin und Perjeta

Alle Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom im Frühstadium sollten zur Chemotherapie standardmäßig über ein Jahr Herceptin erhalten – so auch in 2014 die klare Empfehlung (++) der AGO [1]. Neben der hohen Wirksamkeit der (neo)adjuvanten Therapie mit dem bewährten Antikörper profitieren die Frauen von der patientinnenfreundlichen Anwendung: Seit August 2013 ist eine subkutane Formulierung des Antikörpers zugelassen, die – bei bewährter Wirksamkeit und Sicherheit – eine einfache und schnelle Applikation per Spritze in weniger als 5 Minuten ermöglicht [3]. Aktuelle Resultate der PrefHer-Studie belegen: 86% der Patientinnen bevorzugen Herceptin SC gegenüber der intravenösen Verabreichung [4].

Die duale HER2-Blockade mit Perjeta und Herceptin in Kombination mit Docetaxel erhält erneut als einziges Regime den höchsten Empfehlungsgrad „++“ für die 1st-Line-Therapie des HER2-positiven metastasierten Mammakarzinoms [1]. Die Resultate der CLEOPATRA-Studie zeigen: Die zusätzliche Gabe des HER2-Dimerisierungs-Inhibitors Perjeta zur Kombination Herceptin plus Docetaxel kann das Mortalitätsrisiko signifikant um 34% reduzieren (HR: 0,66; p=0,0008). Auch hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens und der objektiven Ansprechrate erwies sich dieses Regime als signifikant überlegen. Die Ergebnisse der CLEOPATRA-Studie belegen zudem, dass die Vorteile der zusätzlichen Behandlung mit Perjeta nicht zu einer klinisch relevant erhöhten Toxizität führten [5, 6].




Literaturhinweise:


[1] www.ago-online.de 

[2] Verma S et al., N Engl J Med 2012; 367 (19): 1783-91

[3] Ismael G et al., Lancet Oncol 2012; 13 (9): 869-78

[4] Pivot X et al., SABCS 2013; Poster P4-12-11

[5] Swain S et al., Lancet Oncol 2013; 14: 461-711

[6] Baselga J et al., N Engl J Med. 2012; 366(2): 109-19