Internistenkongress 2014: Wesiack: „Nicht das Feld den Kostenträgern überlassen!“

08.05.14

BDI-Chef Dr. Wolfgang Wesiack hat beim Internistenkongress davor gewarnt, beim Thema Qualität auf ärztlichen Sachverstand zu verzichten. Wir dokumentieren seine Rede, die uns vorab vorlag, in Auszügen.

Die neue Bundesregierung und mit ihr der neue Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, sind nun seit gut vier Monaten im Amt. Was gesundheitspolitisch zu erwarten ist, kann noch nicht genau abgeschätzt werden. (...)

Der Minister möchte Qualität zum entscheidenden Kriterium für die ambulante und stationäre Versorgung machen. Zu diesem Zweck hat die große Koalition ein neues Qualitätsinstitut auf den Weg gebracht. Es soll wissenschaftlich abgesicherte Qualitätskriterien entwickeln. Dies ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Bisher gibt es keine Kennzahlen und kein System, mit denen sich die Behandlungsqualität zuverlässig und objektiv messen lässt. Feststeht: Wir müssen hier ärztlichen Sachverstand einbringen und dürfen das Feld nicht Betriebswirten und Kostenträgern überlassen. (...)

Wir Ärzte sind die zentralen Steuerer des Gesundheitssystems. Doch statt sie zu stärken, wirft man ihnen immer neue Knüppel zwischen die Beine. Ich erinnere nur an den Vorschlag des GKV-Spitzenverbandes, durch einen Abbau der ambulant tätigen Fachärzte den Hausärztemangel zu beheben.

Wie will er das erreichen? Mit befristeten Zulassungen, Praxisschließungen und Planwirtschaft. Der GKV-Spitzenverband will nicht die ambulante Versorgung verbessern, sondern sie in wesentlichen Teilen, nämlich bei den Fachärzten liquidieren. Was für Signale senden solche Forderungen an den medizinischen Nachwuchs, den wir so dringend brauchen? Auf dem Land fehlen immer mehr Ärzte. Die Krankenhäuser haben Probleme, Stellen zu besetzen. Dies betrifft besonders die Innere Medizin, wo der Bedarf für die stationäre Versorgung mit 38 Prozent der Fälle am höchsten ist. In der niedergelassenen Praxis liegt der Versorgungsgrad bei Fachärzten für Innere Medizin in einzelnen Regionen bereits unter 50 Prozent. (...)

Hat dieser Mangel Folgen für eine besondere Wertschätzung des so dringend benötigten Arztberufs? Ganz im Gegenteil! Drei Viertel der Klinikärzte sind nach einer Umfrage des Deutschen Ärzteblattes mit ihren Arbeitsbedingungen „eher nicht“ oder „gar nicht“ zufrieden. Die Gründe dafür liegen auch in den schlechten Rahmenbedingungen, hoher Verdichtung der ärztlichen Tätigkeiten, überbordende Bürokratie und familienfeindliche Arbeitszeitstrukturen.

Wen kann es da wundern, dass immer mehr Fachärzte der kurativen Medizin den Rücken kehren und sich dem Gesundheitsmanagement oder anderen Berufsfeldern zuwenden? Die Folge ist ein Verlust an Facharztkompetenz im Gebiet, im Schwerpunkt, in der Fachkunde und in den Zusatzqualifikationen sowohl im Krankenhaus als auch im Vertragsarztsystem der niedergelassenen Kollegen – mit Folgen für die Versorgungsqualität. (...)

Die Politik hat einen Qualitätswettbewerb angekündigt. Nehmen wir sie also beim Wort. Wer die Qualität in der medizinischen Versorgung verbessern will, der kann das nur mit und nicht gegen die Ärzte erreichen.
Wer die Qualität in der medizinischen Versorgung verbessern will, der kann das nur mit und nicht gegen die Ärzte erreichen.

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publiziert am: 30.4.2014 9:25
Autor: Wolfgang Wesiack
Quelle: Kongress